Kreuzfahrt

Ohne Gepäck auf dem "Traumschiff" - Hamburger sauer

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Silvia Stammer

Bis zu drei Tage warteten Passagiere des Fünf-Sterne-Schiffs "MS Deutschland" auf ihre Koffer. Grund: ein Computerfehler der Lufthansa

Hamburg. Neun Tage können eine schöne Zeit auf einem luxuriösen Kreuzfahrtschiff sein. Hat man allerdings nichts zum Anziehen, keine Waschutensilien, keine Medikamente, wird die Zeit an Bord zum Albtraum. So passierte es einer Gruppe von 37 Hamburgern und Norddeutschen, die eine Reise auf der "MS Deutschland" von Lissabon nach Hamburg gebucht hatten. Ihr Gepäck kam in Portugal nicht an. Dies war ein Versäumnis der Lufthansa. Doch weil sie sich mit ihrem Problem vom Personal des Luxusschiffs alleingelassen fühlten, sind etliche der Passagiere aus Norddeutschland äußerst verärgert.

Corinna Hartmann, 61, aus Hamburg-Winterhude macht ihrem Ärger Luft: "Es fehlten mehr als 80 Koffer, als wir in Lissabon ankamen. Wir hatten erst einmal nichts anzuziehen, einem Mitreisenden - er ist Bluter - fehlten wichtige Medikamente. Er hatte nur Tabletten für drei Tage dabei." Schnell sei klar gewesen, dass die Lufthansa Schuld am Problem sei und dass die Koffer nachgeliefert würden. Doch es habe tagelang gedauert, bis die Koffer da gewesen seien.

Kornelia Kneissl, Sprecherin der Reederei, erklärt: "Es handelte sich um 52 Gepäckstücke. Mehr als die Hälfte davon wurden bereits im Hafen von La Coruña, einen Tag nach Reisestart, nachgeliefert. Nur 19 Koffer konnten erst am dritten Tag, im Hafen von Dover, an Bord gebracht werden." Kneissl weiter: "In der Zwischenzeit wurden die betroffenen Reisenden natürlich mit Ersatzkleidung und -sets versorgt."

Dennoch sei das eigentliche Ärgernis das Verhalten der Crew gewesen: Der Tenor in den Aussagen der "Deutschland"-Crew, inklusive des Hoteldirektors, sei gewesen, dass man nichts dafür könne und damit sei der Fall erledigt. Frau Hartmann: "Das ist doch eine Frage der Fürsorgepflicht, insbesondere bei einer so teuren Reise, dass man sich kümmert, dass man informiert, dass man hilft." Statt dessen sei nur zögerlich und nur auf mehrfache Nachfrage bei der Beschaffung von Zahnbürste und Kleidung geholfen worden. Der Mann, der Bluter sei, habe lebensnotwendige Medikamente zwar beim Bordarzt bekommen - aber nur gegen Vorkasse.

Insbesondere mit dem Verhalten der Reiseleiterin und des Hoteldirektors ist Corinna Hartmann, ebenso wie andere Gäste, überhaupt nicht einverstanden. "Ein Teil Ihres Servicepersonals war restlos überfordert und es kam zu sehr unqualifizierten Äußerungen", schreiben Norbert Bosak, Werner Schulze und Gertrud Ludewig aus Garstedt (Niedersachsen) in einem Brief an Deilmann-Geschäftsführer Konstantin Bissias.

"Traumschiff"-Schwestern steuern in die Insolvenz

Juliane Beyer, bei Deilmann zuständig für Beschwerdemanagement, nimmt das Personal in Schutz. "Insbesondere der Concierge hat sich vorbildlich verhalten, die Passagiere konnten auf Kosten der Lufthansa großzügig einkaufen." Das Gepäck sei wegen eines Computerfehlers am ersten Reisetag, einem Sonnabend, in München stehengeblieben, doch bereits am Abend des Sonntags seien die meisten Koffer in La Coruña geliefert worden. Das Personal habe sich "konstruktiv verhalten". Trotzdem, so Juliane Beyer, werde man den Einzelfall prüfen und bei berechtigten Beschwerden den Kunden entgegenkommen, wenn sie Unannehmlichkeiten hatten. "Außerdem", so Kneissl, "kümmert sich die Reederei selbstverständlich um Gepäckprobleme. Selbst wenn diese in den Zuständigkeitsbereich der Fluggesellschaft fallen."

+++"Traumschiff"-Buch darf weiter verkauft werden+++

Die MS Deutschland wurde als ZDF-"Traumschiff" bekannt. Nach finanziellen Problemen und einem Brand an Bord gehören Schiff und Reederei Deilmann inzwischen der Münchner Investoren-Gruppe Aurelius.

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