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Fußball-WM 2006 in Deutschland

Der Franzose Zinedine Zidane wird mit seinem Kopfstoß im Finale zur tragischen Figur

Weltmeister: Italien (6:4 nach Elfmeterschießen im Finale gegen Frankreich)

Geschichte(n) des Turniers: Das Sommermärchen hat zahllose interessante und emotionale Episoden geschrieben: der begeisternde Offensivfußball der deutschen Mannschaft unter Bundestrainer Jürgen Klinsmann, der Spickzettel von Nationaltorhüter Jens Lehmann im Elfmeterschießen des dramatischen Viertelfinals gegen Argentinien, die traurige Last-Minute-Niederlage im Halbfinale gegen Italien, die Wiederauferstehung von Stuttgart mit dem fulminanten Sieg über Portugal im Spiel um Platz drei. Oder die überraschenden Außenseiter. Nicht nur Ghana schaffte den Sprung ins Achtelfinale. Ecuador (gegen England) und Australien (gegen Italien) schieden denkbar knapp und etwas unglücklich mit 0:1 aus dem Turnier aus.

Sportiche Leistungen, die vor allem rückblickend vom tausendfachen Jubel in den Straßen und auf den Plätzen im Land in den Schatten gestellt wurden. Nahezu jede mittelgroße deutsche Stadt lud - teilweise spontan - zu Public-Viewing-Veranstaltungen ein. Ganz Deutschland schien in ein schwarz-rot-goldenes Bad eingetaucht zu sein. Farbenfroher Patriotismus, der einem bunten, multikulturellen Fußballfest nicht im Weg stand. Deutschland präsentierte sich weltoffen und tolerant wie selten. Selbst im Ausland war schnell von der schönsten Weltmeisterschaft aller Zeiten die Rede. Die Fans gerieten so zum eigentlichen Star dieser Weltmeisterschaft, oder wie es Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble damals formulierte: "Inzwischen muss man Fan der deutschen Fans sein."

Der sportliche Superstar der WM hingegen geriet auf der Zielgeraden noch zur tragischen Figur - allerdings durch sein eigenes Verschulden. Mit einem unmotivierten Kopfstoß gegen den italienischen Nationalspieler Marco Materrazi in der 110. Minute der Verlängerung des Finals machte der französische Mittelfeldregisseur Zinedine Zidane seinem Ärger über eine provozierende Beschimpfung des Gegenspielers Luft und sah Rot. Für "Zizou" ein unrühmlicher Abschied von der großen Fußballbühne, die seine Manschaft an diesem Abend ebenfalls als Verlierer verließ. Die Equipe Tricolore unterlag wenig später im Elfmeterschießen, Italien wurde Weltmeister.

Aufgebot Ghanas in der Vorrunde gegen die USA: Kingson, Pantsil, Mohamed, Mensah, Shilla Illasu, Appiah, Draman (80. Tachie-Mensah), Essien, D. Boateng (46. Otto Addo), Pimpong, Amoah (59. E. Addo)