Massentaufe im Stadtparksee

97 Hamburger bekannten sich gestern zu ihrem christlichen Glauben. Sie sind Mitglieder evangelischer Freikirchen

"Ich habe ein neues Leben", sagt Jennifer Andresen, "eines, das der Weg zu Gott ist." 26 Jahre alt ist die Barmbekerin, von Beruf Krankenschwester - und: schön. Nicht nur, weil sie gut aussieht. Sondern vor allem deshalb, weil sie - mit straffen Zügen, fester Stimme und leuchtenden Augen - etwas ausstrahlt: Wärme, Stärke, Zufriedenheit. Einerseits. Andererseits auch eine gewisse Unbeirrbarkeit, ja Härte, eine "Nur so ist es richtig"-Haltung.

Gestern Nachmittag: Jennifer Andresen ist gerade aus dem Stadtparksee gestiegen. Dort wurde sie eben getauft, gemeinsam mit 96 anderen Menschen im Alter zwischen zehn und 60 Jahren. Andresen gehört nun zur Christengemeinde "Elim", einer der Pfingstbewegung zugehörigen evangelischen Freikirche, die etwa die Hälfte der Täuflinge stellte. "Elim" hat in Hamburg rund 1000 Mitglieder und kennzeichnet sich durch eine wörtliche Bibelauslegung, einen bedeutenden Missionswillen sowie den Glauben an eine "persönliche Beziehung zwischen Mensch und Gott".

Während Jennifer Andresen am Seeufer steht und auf die Wiese mit den knapp 2000 Zuschauern blickt, rinnen ihr die Tropfen ins Gesicht. Sie ist klatschnass, hat sich um ihr triefendes Taufgewand bloß ein trockenes Handtuch geworfen. Die Luft hat 14 Grad, das Nass wohl noch weniger. Ob sie nicht friere? "Nein", antwortet Andresen, während sie mit aller Kraft, fast krampfhaft, lächelt. "Das Feuer Jesu Christi lodert in mir." Um Jennifer Andresen herum singen die Menschen fröhliche Lieder, klatschen ausgelassen in die Hände und bejubeln einen Täufling nach dem anderen, der über den roten Teppich den Hügel gen See hinunterläuft.

Für Außenstehende ist die Szenerie ambivalent: Einerseits fasziniert der Funke von Freude und Freundlichkeit, der die Menschen hier offensichtlich im Glauben an etwas Großes verbindet; andererseits will er nicht so recht überspringen, der Funke, sondern kokelt eher ein Gefühl des Befremdens hervor. Befremden über diese allzu heile Welt und über diesen latent betonten Kontrast zum Leben außerhalb von "Elim", in dem man eher ein "Namens-Christ" sei und seltener ein "lebendiger Christ", wie Ulrike Awad meint. Die Pressesprecherin von "Elim" glaubt: "Uns macht die Lebhaftigkeit und Persönlichkeit unserer Beziehung zu Gott aus, mit dem wir uns über den Heiligen Geist unterhalten und der sich uns immer wieder zeigt - etwa nach einem Bittgebet durch das Eintreten des Gewünschten."

Allerdings, so muss Awad beim Gespräch im regengepeitschten Pressezelt zugeben, habe das mit dem Bittbeten um schönes Wetter nicht geklappt. Ein Zeichen? "Vielleicht dafür", wirft Jennifer Andresen ein, "dass Gott alle Menschen getauft sehen möchte."