Zwischenruf

Reine Geschmacksfrage

Dieses süße Etwas polarisiert. Gelobt als die leckerste Zutat eines Frühstücks von dem einen, stößt es als Inbegriff des spießigen Hamburgs dem anderen bitter auf. Das Franzbrötchen, dem am Wochenende sogar ein Kongress gewidmet wurde. 21 Bäcker hatten ihre besten Plunder geliefert, Kreationen mit Marzipan, Rosinen, Schokolade, viel Butter und Zimt. Die Jury musste schnüffeln, reißen und beißen, um das beste Stück zu ermitteln, die Kriterien der Blindverkostung reichten von matschig (Schulnote 5) über blättrig (befriedigend) bis zimtig und knusprig (Bestnote).

Dabei ging es längst nicht nur ums pure Essen. Es ging um Ehre. Schließlich ist die Hansestadt ihrem Erbe verpflichtet, die Kultur des Franzbrötchenbackens aufrechtzuerhalten. Wie die Leiterin des Museums für Brotkultur in Ulm berichtete, soll der Altonaer Franzsche Bäcker Johann Heinrich Thielemann schon um 1825 die süßen Blätterteig-Teilchen erfunden haben. Beliebt ist es in aller Welt, zu kaufen aber nur in Hamburg.

Die Stadt ist sich ihrer Bedeutung im internationalen Süßwarengeschäft bewusst. Es existiert eine Franzbrötchen-Hymne als Klingelton (wahlweise in der Cembalo-, Bläser- oder Musicbox-Version) und ein Franzbrötchen-Orakel. Der Autor des maßgeblichen, weil einzigen Standardwerkes forderte auf dem Kongress die Aufstellung eines Franzbrötchen-Denkmals an der Wirkungsstätte des mutmaßlichen Erfinders. Jetzt fehlt nur noch die Anerkennung des Franzbrötchens durch die Unesco. Aber die wurde schließlich auch beantragt. So wurde die Siegerehrung zur leckeren Nebensache: Die besten Franzbrötchen werden im Café Luise in Fuhlsbüttel gebacken. Aber das ist letztendlich Geschmacksfrage!