Hamburg. Erst im Mai wurde die Station eröffnet. Deutsche Bahn droht mit Strafanzeigen – und nimmt auch Kinder in die Pflicht.

Der Lack ist ab – beziehungsweise drauf: Kurz nach der Eröffnung Ende Mai ist der neue S-Bahnhof Ottensen im Bezirk Altona nicht mehr von anderen Hamburger Bahnhöfen zu unterscheiden. Kritzeleien zieren sowohl Wartehäuschen als auch Mülleimer und, für Fahrgäste in den vorbeifahrenden S-Bahnen kaum zu übersehen, an den Außenwänden des Bahnhofsgebäudes prangen riesige bunte Graffitis.

Und wie reagiert die Deutsche Bahn auf die Schmierereien an ausgerechnet dem Bahnhof, den Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) nur einige Wochen zuvor als den „Auftakt von etwas Großem“ beschrieben hatte?

S-Bahn Hamburg: Graffitis in Ottensen „besonders ärgerlich“

„Solche Fälle sind zwar immer ärgerlich, aber besonders ärgerlich bei einer Station, die gerade erst in Betrieb genommen wurde“, äußert sich eine Sprecherin der Deutschen Bahn auf Anfrage und sagt auch: „Graffitis sind keine Kavaliersdelikte, jeder Fall wird zur Strafanzeige gebracht.“

Der neue S-Bahnhof Ottensen: Auch die Wartehäuschen sind beschmiert.
Der neue S-Bahnhof Ottensen: Auch die Wartehäuschen sind beschmiert. © Louisa Eberhard

Auf der Website der Deutschen Bahn heißt es dazu sogar: „Von Kindern ab dem siebten Lebensjahr kann man noch bis zu 30 Jahre nach der Verurteilung Schadensersatz fordern. Da ist das erste selbst verdiente Geld auf lange Zeit weg.“ Das Unternehmen verweist darauf, jährlich viele Millionen Euro für die Beseitigung der durch Vandalismus entstandenen Schäden ausgeben zu müssen.

S-Bahnhof Ottensen in Altona soll künstlerisch gestaltet werden

Am S-Bahnhof Ottensen werden die Kritzeleien aber vorerst nicht entfernt: „Wir planen derzeit eine künstlerische Gestaltung der S-Bahn-Station Ottensen“, lautet der Kommentar der Sprecherin. In diesem Zuge werden dann auch die Graffitis entfernt. Einen zeitlichen Rahmen will die Sprecherin auf Nachfrage jedoch nicht verraten.

Wer in einer S-Bahn am Bahnhof Ottensen in Hamburg-Altona vorbeifährt, bemerkt die großen Graffitis sofort.
Wer in einer S-Bahn am Bahnhof Ottensen in Hamburg-Altona vorbeifährt, bemerkt die großen Graffitis sofort. © Louisa Eberhard

Knapp 43 Millionen kostete der Bau des Bahnhofs im Hamburger Westen, der sich unter anderem wegen der Pandemie und der allgemeinen Wirtschaftslage seit dem Ukraine-Krieg immer wieder zeitlich verzögerte und schließlich nach zwei Jahren Verspätung fertig wurde. Im Mai dann die von vielen Anwohnern sehnsüchtig erwartete Eröffnung – damals noch auf einem sauberen und nicht beschmierten Bahnsteig.

S-Bahn Hamburg: Neuer Bahnhof Ottensen lockt täglich 5000 Fahrgäste an

Rund 5000 Fahrgäste soll der neue Bahnhof nach Erwartungen der Deutschen Bahn jetzt täglich in die S1 und S11 locken. Darunter dürften sich auch zahlreiche Theatergäste befinden, denn der S-Bahnhof Ottensen liegt nur einen Steinwurf vom Thalia Theater in der Gaußstraße entfernt.

Und die Theater-Fans können sich freuen: Laut der Deutschen Bahn soll ab dem Herbst eine Personenüberführung den direkten Zugang in die Gaußstraße ermöglichen.