Parks und Grünanlagen

Sparzwang lässt Hamburgs Parks und Straßenränder verwildern

Altona zahlt 23 Cent pro Quadratmeter für Straßengrün, andere Städte im Schnitt 2 Euro. Das zeigt eine Berechnung der Pflegekosten, die Altona als erster Bezirk aufstellte. In anderen Bezirken sieht es ähnlich aus.

Altona. Immer wieder beklagen Bürger und Vereine in Altona eine zunehmende Verwilderung von Parks und Straßenrändern in ihrem Bezirk. Wild wachsendes Gestrüpp versperre in den alten Parks an der Elbe den historischen Blick auf das Wasser, hohes Gras und dichte Büsche würden Radwege oder Verkehrsschilder überwuchern – so lauten die Vorwürfe.

Der Bürgerverein Blankenese spricht gar von einer Verwahrlosung. Das mag übertrieben klingen, gefühlt aber scheint der Pflegezustand vieler Grünanlagen tatsächlich schlechter zu sein als noch vor einigen Jahren. Und das nicht nur in Altona. Bestätigt wird die Kritik am Zustand der Hamburger Grünanlagen jetzt durch ein umfangreiches Zahlenwerk, das vom Bezirksamt Altona selbst ermittelt wurde.

Als erster Bezirk Hamburgs stellte Altona eine exakte Kosten- und Leistungsrechnung über Pflegekosten für seine öffentlichen Grünflächen auf. Und der Bezirk verglich sich mit anderen deutschen Städten, die ebenfalls über eine solche detaillierte Rechnung verfügen. Dieser Vergleich dürfte die Kritiker aus dem Westen der Hansestadt noch weiter aufrütteln, als es die zugewachsenen Elbblicke schon jetzt tun. Denn der Kostenvergleich zeigt teils extreme Unterschiede. So gibt der Bezirk Altona jährlich laut der Berechnung 83 Cent pro Quadratmeter für die Pflege seiner zusammen rund acht Quadratkilometer großen Grünanlagen aus. Vergleichbar große Städte lassen sich im Durchschnitt diese Pflege 1,23 Euro pro Quadratmeter kosten.

Deutlich erkennbar sei zudem eine deutsches Süd-Nord-Gefälle bei den Ausgaben, heißt es in der Studie. Die Stadt Karlsruhe etwa gibt für ihre Parks sogar 2,20 Euro pro Quadratmeter aus. „Von diesem Niveau sind die norddeutschen Vergleichsstädte weit entfernt“, schreiben die Verfasser. Noch deutlicher ist der Unterschied der Studie zufolge bei der Pflege des sogenannten Straßenbegleitgrüns, also der Wiesenstreifen, Bäume und Büsche am Rand von Straßen.

Dafür standen in Altona lediglich pro Jahr und Quadratmeter 23 Cent zur Verfügung. Eine Summe, die sich von anderen Bezirken nicht weit unterscheiden dürfte, weil die Rahmenzuweisungen durch den Senat nach gleichen Kriterien geregelt sind. Ein riesiger Unterschied lässt sich aber in der bundesweiten Vergleichsstudie zu anderen deutschen Städten erkennen. Die durchschnittlichen Pflegekosten pro Quadratmeter fürs Begleitgrün liegen demnach bundesweit bei durchschnittlich zwei Euro.

Man könnte jetzt mutmaßen, der Bezirk Altona arbeite besonders kostengünstig. Doch auch die Verantwortlichen im Altonaer Rathaus wissen, dass die teils extrem niedrigeren Kosten keine irgendwie geartete Leistung darstellen. Geschuldet sei das Ergebnis wohl eher der geringen Finanzausstattung, sagt Bezirkssprecherin Kerstin Godenschwege. Oder anders gesagt: Andere deutsche Städte haben einfach mehr Geld für diese Aufgabe zur Verfügung, als der Senat seinen Bezirken zubilligt.

Wer tiefer in das Zahlenwerk und die Texterklärungen der mehr als 20-seitigen Studie vordringt, findet dann auch Formulierungen, die erahnen lassen, dass dieser Umstand auch von den Fachleuten in der Bezirksverwaltung kritisiert wird: „Dass Altona bei der Grünflächenunterhaltung besonders geringe Kosten erzeugt, kann kein Grund zur Zufriedenheit sein“, heißt es dort. Vielmehr sei die Qualität der Unterhaltung schlechter. Beim Straßenbegleitgrün könne der Bauhof sogar nur noch „anlassbezogen“ aktiv werden – also etwa dann, wenn sich Bürger massiv beschweren.

Insgesamt, so das Fazit, fahren „die norddeutschen Vergleichsstädte und besonders Altona ihre Grünflächenunterhaltung an der unteren Kante“. Und mit Blick auf weiteren Personalabbau in den Hamburger Bezirken sehen die Fachleute aus dem Technischen Rathaus da auch keine Trendwende. So müsste der Mitarbeiterstamm in den kommenden Jahren um knapp ein Fünftel weiter reduziert werden – was „zwangsläufig“ auf Kosten der Grünflächenpflege geschehe.

Bisher sind im Bauhof des Bezirks 89 Mitarbeiter für die Pflege des öffentlichen Grüns zuständig. Sieben Millionen Euro gibt der Bezirk Altona jährlich dafür aus, ein Drittel der Kosten entfallen auf Leistungen, die von Privatfirmen erbracht werden. Allerdings würden solche Firmen auch nicht effektiver arbeiten als der Bauhof. Als Beispiel dazu untersuchten die Autoren der Studie die Pflege des Platzes der Republik nahe dem Altonaer Bahnhof, die einmal vom Bauhof und ein anderes Mal von einen privaten Anbieter übernommen worden war – zu etwa gleichen Kosten.

Die genaue Untersuchung der einzelnen Pflegeposten in Altona geht auf den Beitritt des Bezirks in den „Vergleichsring der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsvereinfachung“ in Köln vor einem Jahr zurück. Altona ist der bisher erste Hamburger Bezirk, der sich einem solchen Vergleich stellte.

Dabei blickten die Altonaer natürlich vor allem auf Städte, die ähnlich wie ihr Bezirk um die 250.000 Einwohner zählt – so wie beispielsweise Aachen, Karlsruhe, Krefeld, Lübeck und Mönchengladbach. In all diesen Städten wird mehr Geld für die Grünpflege ausgegeben als in Altona.