Schanzenviertel

Scholz: Hamburg ist offen für Rückkauf der Roten Flora

Wenn Eigentümer Klausmartin Kretschmer das Grundstück am Schulterblatt loswerden wolle, sei die Stadt zu einem Rückkauf bereit, sagte Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz.

Hamburg. Die Stadt Hamburg ist offen für einen Rückkauf des seit mehr als 20 Jahren besetzten linksalternativen Kulturzentrums „Rote Flora“. Das sagte Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) dem Radiosender NDR 90,3. Die Stadt hatte das Grundstück im Schanzenviertel 2001 an Klausmartin Kretschmer für umgerechnet knapp 190.000 Euro verkauft – „weil er gesagt hat, er findet die Bewohner nett und käme schon mit ihnen klar“.

Scholz: „Wenn er sagt, das gelingt ihm nicht und er möchte das wieder los werden, sind wir da offen für einen Rückkauf. Allerdings haben wir immer gesagt, das kann jetzt nicht viel mehr sein als das, was er damals bezahlt hat.“ Der Eigentümer habe offenbar andere Vorstellungen.

Kretschmer versucht seit 2011, das rund 1770 Quadratmeter große, inzwischen wohl millionenteure Grundstück samt heruntergekommener „Roter Flora“ wieder zu verkaufen – bislang vergeblich. Er hatte dem Kulturzentrum vor kurzem mit der Räumung gedroht.

Sollten die Besetzer das ehemalige Theater im Schanzenviertel nicht noch vor Weihnachten verlassen haben, „werde ich die zuständigen Hamburger Behörden und Gerichte bitten und auffordern, mein Eigentum zu gegebener Zeit räumen zu lassen“, hatte er in einem Schreiben an die „Rotfloristen“ erklärt. Gleichzeitig kündigte er an, für die Flora nun ein Nutzungsentgelt in Höhe von 25.000 Euro plus Mehrwertsteuer pro Monat zu fordern.

Das Ultimatum zur Räumung der „Roten Flora“ sieht Scholz skeptisch. Bevor es zu einer Räumung komme, müsse sich Kretschmer an die Zivilgerichte wenden, sagte er dem Radiosender. „Da wage ich nicht vorherzusagen, wie das ausgeht. Auf alle Fälle ist das keine selbstverständliche Sache. Denn schließlich ist er ja Eigentümer geworden, um die jetzigen Nutzer dort glücklich werden zu lassen.“

Unterdessen hat sich offenbar eine Gruppe Vermummter in Berlin mit den Flora-Aktivisten verbündet. In der Nacht zum Donnerstag wurden mehrere mehrere Fensterscheiben von Wohnhäusern mit Eisenstangen eingeschlagen. Außerdem zündeten die Unbekannten in der Nacht zum Donnerstag ein Toilettenhäuschen auf der Straße an, wie die Polizei mitteilte. Parolen auf Häuserwänden beim Tatort lassen vermuten, dass es sich um eine Solidaritätsaktion für Hausbesetzer in Hamburg handelte.

In Zusammenhang zu der Problematik rund um die Flora und die Evakuierung der Esso-Häuser werden am Sonnabend mehrere Demonstrationen und eine Kundgebung erwartet. Die Polizei erwartet bis zu 6000 Teilnehmer. Davon soll die Hälfte der linksautonomen Szene zugerechnet werden - 1500 gelten als gewaltbereit.

Die größte Demo wird auf der Schanze beginnen. Es wird dort für den Erhalt der Roten Flora und rund um die Entwicklung der Esso-Häuser demonstriert. Die Route der Demo, die um 15 Uhr beginnt, verläuft von der Roten Flora über den Neuen Pferdemarkt und die Budapester Straße bis zur Reeperbahn und von dort über die Talstraße über den Neuen Kamp und die Feldstraße zur Glacischaussee, wo eine Abschlusskundgebung stattfinden soll.