Film-Tipp

Romantisch: „Die schönste Zeit unseres Lebens

Zurück im Jahr 1974: Daniel Auteuil als Victor trifft in seiner Lieblingsbar auf Margot (Doria Tillier).

Zurück im Jahr 1974: Daniel Auteuil als Victor trifft in seiner Lieblingsbar auf Margot (Doria Tillier).

Foto: dpa

Auch Victor (Daniel Auteuil) gehört zu jener Sorte alter Männer, die es im Grunde schick finden, nicht mit der Zeit zu gehen. Computer, Smartphones, die ganze Digitalisierung lehnt er ab, sie hat ihn schließlich schon den Job gekostet. Victor war mal Karikaturist bei einer Zeitung. Sein Sohn Maxime (Michaël Cohen) bietet ihm neue Arbeit in seinem mit Computern arbeitenden Werbeunternehmen an.

Stattdessen geht er lieber seiner Frau Marianne (Fanny Ardant) auf die Nerven, einer Psychotherapeutin, die mit dem Handy keine Probleme hat. 40 Jahre sind die beiden schon verheiratet, aber nun ist die Ehekrise da: Mit seiner schlechten Laune macht Victor Marianne schließlich so wütend, dass sie ihn vor die Tür setzt. Victor greift zu einem Strohhalm: Sein Sohn hatte ihm das etwas seltsame Geburtstagsgeschenk einer Zeitreise gemacht. Und er weiß genau, wohin er will: ins Jahr 1974, in eine bestimmte Bar, an einem ganz bestimmten Tag. Dem, an dem er dort Marianne kennenlernte.

Zeitreisen dieser Art sind das Geschäftsmodell von Antoine (Guillaume Canet). Regisseur Nicolas Bedos zeigt ihn in „Die schönste Zeit unseres Lebens“ als eine Art Alter Ego, einen unter Hochspannung arbeitenden Impresario, der zwischen seinen Sets hin und her wechselt wie einst ein Hollywood-Tycoon. Tatsächlich sind seine Zeitreisen aufwendig inszenierte Kostümfilme.

Seine Kunden gehen nicht immer besten Instinkten nach, wenn sie sich in eine Epoche wünschen. Obwohl er so ein Ansinnen verachtet, fühlt Antoine sich als Perfektionist einfach verpflichtet. Egal wann und wo, er herrscht seinen Stab und seine „Schauspieler“ an, bis alles sitzt.

Seiner Freundin Margot (Doria Tillier) geht er in seiner Arbeitsbesessenheit zu weit. Sie will sich von ihm trennen. Dann aber drängt er sie zu einem letzten Job: Sie ist die Idealbesetzung für die junge Marianne, der der alte Victor in seiner Zeitreise wiederbegegnen will. Und so kämpfen in Bedos’ flotter Komödie bald ein junger Mann und ein alter Mann um ihre Beziehung, der eine in und der andere hinter den Kulissen.

In hektischem Tempo, nicht immer ganz perfekt ausbalanciert, wechselt der Film, der in diesem Jahr das Filmfest Hamburg eröffnete, zwischen den Paaren und den Epochen. Während Victor in seiner Bar im Jahr 1974 sitzt und mit Margot als Marianne flirtet, streiten Antoine und Margot in den Pausen der „Produktion“ und auch direkt am Set.

Es sind interessante Perspektiven, die Bedos durch dieses Arrangement schafft: Die Alten und Jungen schauen mit wechselseitiger Neugier auf die Erfahrungen der anderen. Besonders als eines Tages die echte Marianne zum Set kommt, sich zu Victor an den Tisch setzt und ihn darauf hinweist, dass seine Erinnerung der Dinge doch sehr subjektiv ist.

Hinter seiner amüsanten Kurzweiligkeit entfaltet der Film ein überraschend vieldeutiges Nachdenken über die Wechselwirkung von Kino und Fiktion: Am Ende wünscht man sich fast, es gäbe ein solches Zeitreiseunternehmen wirklich. Der rare Fall einer gelungenen Komödie, die einen nachgerade ins Grübeln bringt.

„Die schönste Zeit unseres Lebens“ F 2016, 116 Min., ab 12 J., R: R Nicolas Bedos, D: Daniel Auteuil, Guillaume Canet, Fanny Ardant, täglich im Elbe, Koralle, Passage, UCI Mundsburg, Zeise (auch OmU); www.constantin-film.de