Literatur-Tipp

Drei starke deutsche Frauen im Schauspielhaus

Claudia Michelsen, Angela Winkler und Gesine Cukrowski mit Erika Mann, Else Lasker-Schüler und Bettina von Arnim (v. l.)

Claudia Michelsen, Angela Winkler und Gesine Cukrowski mit Erika Mann, Else Lasker-Schüler und Bettina von Arnim (v. l.)

Foto: chauspielhaus Hamburg

Der weibliche Blick ist in Geschichtsbüchern noch immer unterrepräsentiert. Die großen Umwälzungen der Geschichte scheinen allein von Männern ausgeführt worden zu sein. Den historischen Leistungen von Frauen ein Forum geben, das will eine prominent besetzte literarische Collage im Schauspielhaus. Unter dem Titel „Drei Frauen aus Deutschland“ nehmen sich die drei aus Theater und TV bekannten Schauspielerinnen Gesine Cukrowski, Angela Winkler und Claudia Michelsen an diesem Donnerstag die Lebensläufe dreier Frauen vor, von denen jede Vita für sich genommen, bemerkens- und erzählenswert ist.

Cukrowski liest aus Texten von Bettina von Arnim (1785–1859), geborene Brentano. Die siebenfache Mutter, die ihr Leben überwiegend getrennt von ihrem Mann Achim von Arnim verbrachte, provozierte das bürgerliche und aristokratische Establishment ihrer Zeit mit ungewöhnlichen Ideen zur Erziehung. Außerdem setzte sie sich stark für Benachteiligte und Unterdrückte ein. Zugleich war sie jedoch eine Intellektuelle, die sich mit vielen bekannten Zeitgenossen austauschte.

Angela Winkler trägt Texte der großen Lyrikerin Else Lasker-Schüler (1869– 1945) vor. Bekannt wurden etwa „Meine Wunder“ oder „Mein blaues Klavier“. Die Nazis nötigten die Tochter eines jüdischen Privatbankiers zur Flucht zunächst nach Zürich, später nach Palästina, wo sie verarmt und vereinsamt starb.

Zu guter Letzt gibt Claudia Michelsen der ältesten Thomas-Mann-Tochter Erika Mann (1905–1969), die sich zeitlebens für Schauspielerei begeisterte, eine Stimme. Mit ihrem politischen Kabarett-Ensemble „Pfeffermühle“ zeigte Erika Mann eine klare Haltung gegen das NS-Regime, auch gegen dessen Anhänger in Zürich. Zunächst eher einem Bohemien-Leben anhängend, wandelte sich Erika Mann im Zuge der Verwerfungen des Nationalsozialismus zu einer stark politisierten Frau, die pazifistische Veranstaltungen organisierte und Zeitungsartikel verfasste. Ab 1943 arbeitete sie zudem als Kriegskorrespondentin unter anderem in Belgien, Frankreich und Palästina.

In Szene gesetzt ist die Revue vom Regisseur Martin Mühlheis („Fünf Minuten Ende der Welt“). Drei starke weibliche Künstlerbiografien, zum Leben erweckt von drei ebenfalls starken Schauspiel-Künstlerinnen – Das verspricht einen Abend auf der Höhe der Zeit.

Drei Frauen aus Deutschland. Eine literarische Revue Do 7.11., 20 Uhr, Schauspielhaus (U/S Hbf.), Kirchenallee 39, Karten zu 9 bis 31 Euro unter T. 24 87 13