Konzert-Tipp

ZZ Top: 50 Jahre Blues, Boogie und drei Bärte

ZZ Top sind seit 1969 Bassist Dusty Hill, Gitarrist Billy Gibbons und Schlagzeuger Frank Beard (v. l.).

ZZ Top sind seit 1969 Bassist Dusty Hill, Gitarrist Billy Gibbons und Schlagzeuger Frank Beard (v. l.).

Foto: Jahnke

Unter all den Bands, die bislang in der Barclaycard Arena gespielt haben, ist ZZ Top die vielleicht größte Fehlbesetzung. Nicht, weil Gitarren-Rasputin Billy Gibbons, Bass-Rübezahl Dusty Hill und Schlagzeuger Frank Beard nicht populär oder musikhistorisch wichtig genug wären, die Stadtpark-Konzerte 2013 und 2016 zum Beispiel waren schnell ausverkauft. Trotzdem sollten die Boogie-Boys nicht in der Arena spielen, sondern auf dem Parkplatz vor dem Volksparkstadion gegenüber. So wie Volbeat 2017. Einfach im größeren Rahmen open air spielen, am besten zwischen den Autos.

Denn ZZ Top ist die definitive Band für das sogenannte Tailgating. In den USA ist es seit Jahrzehnten bei Football-Spielen, aber auch in den anderen Kernsportarten und bei Konzerten üblich, dass sich die Fans vorher auf den Parkplätzen um ihre Autos scharen, die Kofferräume und Pick-up-Heckklappen öffnen und bei aufgedrehten Anlagen, aufgerissenen Bierkannen und aufgefüllten Grills feiern. Ein Hamburger ZZ-Top-Fan ließ sich davon inspirieren und parkte 2013 ein Monstrum von Grill in SUV-Form auf der „Schnorrerwiese“ neben der Stadtparkbühne, aus dem Würstchengeruch und „Gimme All Your Lovin’“ strömten.

Na ja. Also Barclaycard Arena. Auf der ganz großen Bühne wollen Gibbons, Hill und Beard ihr 50. Bandjubiläum feiern. Das hat schon etwas von Selbstironie, denn wenn es etwas gibt, was das Trio nicht braucht, dann sind es breite Bühnen. Technik-Overkill, Feuerzauber und Rockzirkus war nie deren Ding, eine Leinwand mit den jetzt sehr gestrig wirkenden Videos zu „Gimme All Your Lovin’“ oder „Legs“ war das Show-Maximum.

ZZ Top ist die vielleicht unbeweglichste Band nach Kraftwerk


Und ZZ Top ist auch bekannt als die vielleicht unbeweglichste Band nach Kraftwerk. Wenn sie „Waitin’ For The Bus“, „Got Me Under Pressure“, „Tush“, „La Grange“ oder das Jimi-Hendrix-Cover „Foxy Lady“ spielen, bewegen Hill und Beard kaum einen Fuß vor den anderen. Die Köpfe nicken leicht, die Bärte wackeln, und Frank Beard trommelt mit einer stur und desinteressiert wirkenden Routine wie ein Wiener Schnitzelklopfer.

Aber genau das macht seit 50 Jahren die Faszination von ZZ Top aus. Maximale Lässigkeit ist angesagt, wenn der bewährte Bluesrock-Cowboystiefel runtergespielt wird. So konnten sie von Houston, Texas aus von 1969 den Spuren von Z. Z. Hill und B. B. King folgen und vor allem in den 80er-Jahren die Welt erobern. Die Kräfte teilten sie sich ein, das letzte Album „La Futura“ erschien 2012.

Billy Gibbons machte bei der Tourankündigung entsprechend einen Scherz daraus: „Es ist jetzt 50 Jahre her, und ich glaube, wir werden allmählich ziemlich gut. Die Bärte sind vielleicht etwas länger, aber alles andere hat sich nicht verändert, und wir hoffen, dass es so bleibt.“ Damit ist Gibbons sicher nicht der Einzige.

ZZ Top, Goodbye June Mo 17.6., 20.00, Barclycard Arena (S Stellingen + Bus 380), Sylvesterallee 10, Karten ab 64,50 im Vorverkauf; www.zztop.com