Kino-Tipp

Elyas M'Barek ermittelt in „Der Fall Collini“

Anwalt Leinen (Elyas M'Barek) trifft Johanna (Alexandra Maria Lara), die Enkelin des Opfers.

Anwalt Leinen (Elyas M'Barek) trifft Johanna (Alexandra Maria Lara), die Enkelin des Opfers.

Foto: - / dpa

Was treibt einen Menschen dazu, einen anderen zu töten? Eine Frage, die der Strafverteidiger und Schriftsteller Ferdinand von Schirach in den Mittelpunkt seines Romandebüts „Der Fall Collini“ gerückt hat. Die Antwort ist kompliziert und reicht zurück in die deutsche Vergangenheit. Nun ist die Geschichte verfilmt worden.

Regisseur Marco Kreuzpaintner („Trade“) inszeniert sie als düsteres Gerichtsdrama, das trotz Schwächen solide Unterhaltung bietet. Franco Nero gibt den wortkargen Mörder. Elyas M’Barek spielt den Rechtsanwalt Caspar Leinen, der den Mörder verteidigen soll. Und der Star aus „Fack ju Göhte“ zeigt, dass er auch ernste Rollen jenseits von ­Zeki Müller spielen kann.

Leinen hat die Anwaltszulassung erst seit drei Monaten. Die Verteidigung von Fabrizio Collini ist seine erste große Chance. Ein Glücksfall – bis er erfährt, wer das Mordopfer ist. Es ist der reiche Unternehmer Hans Meyer (Manfred Zapatka), in dessen Familie Leinen früher wie ein Ziehsohn ein- und ausgegangen ist.

Meyers Enkelin Johanna (Alexandra Maria Lara), seine einstige Jugendliebe, verlangt von Leinen, dass er den Fall abgibt. Der erfahrene Rechtsanwalt Richard Mattinger (Heiner Lauterbach) rät ihm jedoch, weiterzumachen. Und so hält der junge Anwalt an dem Fall fest, der äußerst rätselhaft ist, zumal sein Mandant beharrlich schweigt. So recherchiert Leinen auf eigene Faust nach einer Verbindung zwischen Meyer und Collini und stößt dabei auf ein düsteres Kapitel deutscher Justiz­geschichte.

Man wolle eine Diskussion anstoßen über Themen wie Rechtsstaat, Rache, Verjährung, Selbstjustiz und Gerechtigkeit, erklärt der Produzent Christoph Müller. Eine wichtige Frage ist dabei – wie so oft bei von Schirach – die nach der Schuld. M’Barek bereitete sich gründlich auf seine Anwaltsrolle vor.

Er traf sich mit Rechtsanwälten und besuchte mehrere Gerichtsverhandlungen. Zudem las er alle Bücher, die von Schirach geschrieben hat, wie „Schuld“ oder „Terror“. „Was mich an ihnen schon immer besonders fasziniert hat, ist ihre unglaubliche Nüchternheit – sie wirken wirklich echt, authentisch, nah am Leben“, sagte der Schauspieler, der den noch unsicheren Anwalt überzeugend spielt.

Die Authentizität versucht Kreuzpaintner auch in seinem Film zu vermitteln, was ihm im nüchternen Gerichtssaal gut gelingt. Gleichzeitig gibt es immer wieder Rückblenden in die Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs, ein Stilmittel, das in diesem Fall allerdings etwas plakativ wirkt. Außerdem wird das Geschehen immer wieder unterbrochen; damit büßt das Drama an Intensität ein.

Auch die Beziehungen zwischen dem Angeklagten, dem Anwalt und der Enkelin des Ermordeten bleiben an der Oberfläche. Dass Elyas M’Barek dabei ist, sieht Kreuzpaintner als Glücksfall, weil er hofft, ein jüngeres Publikum für den Film zu begeistern. Aber: „Wenn Elyas das spielt, dann möchte ich mir das anschauen“, ist Kreuzpaintner überzeugt. „Dann ist das bestimmt keine langweilige Geschichtsstunde, sondern Erlebniskino.“