Theater-Tipp

„Adam sien Appeln“ mit Anton Pleva feiert Premiere

Anton Pleva (r.) mit Erkki Hopf (M.) und Orhan Müstak.

Anton Pleva (r.) mit Erkki Hopf (M.) und Orhan Müstak.

Foto: Oliver Fantitsch

Es ist früher Vormittag, Anton Pleva wartet schon im Seitenfoyer des Ohnsorg-Theaters. Im blauen Oberhemd und mit roter Krawatte sieht der junge freundliche Mann fast aus wie ein Bankangestellter. „Man repräsentiert ja“, kommentiert Pleva lachend die Kleidung – seine private. Der Probentag beginnt erst gegen Mittag. Einen Banker, überlegt er, habe er bisher noch nicht gespielt. „Geld ist nicht so mein Ding.“ Wohl aber das Theater. Im Herbst bringe er mit „Autoritäre Versuchung“ sein eigenes Stück heraus, erzählt Pleva, dann auch als Regisseur.

„Autoritäre Versuchung“, das könnten auch Stichworte für Plevas aktuelle Aufgabe sein. Im Stück „Adam sien Appeln“ spielt der 36-Jährige vom 14. April an die Titelrolle. Und dieser Adam ist ein gewalttätiger Neonazi. Zwecks Resozialisierung kommt er in eine Art Oase eines Landpastors, gespielt von Ohnsorg-Lieb­ling Erkki Hopf. Zu Adams selbst gewählter Aufgabe gehört es, einen Apfelkuchen zu backen. Der Inhalt dieser schwarzen Komödie beruht auf Anders Thomas Jensens dänischem Film „Adams Äpfel“, der vor mehr als einem Jahrzehnt auch bei deutschen Kinogängern Anklang fand.

Am Ernst Deutsch Theater überzeugte er als Mörder in „Adel verpflichtet“

Anton Pleva hat den Film selbst zweimal gesehen. Doch Film und Theater sind zwei Paar Schuhe: „Am Theater interessiert mich die direkte raumverändernde Energie“, sagt er. Bereits als junger Teenager half Anton in der Schauspielkompagnie Adhoc seines Vaters Jörg Pleva, auch am Ernst Deutsch Theater. Dort ist der 2013 gestorbene Schauspieler aufgrund der spektakulären Umsetzung seiner Molière-Klassiker unvergessen. „Zum Glück hat mir mein Vater ein bisschen Talent mitgegeben“, sagt Anton. Es klingt dankbar, alles andere als überheblich. Dazu passt: Mit Mitte 20 studierte er noch mal vier Jahre Schauspiel an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater.

Während seines Studiums spielte Pleva am Schauspielhaus, auf Kampnagel und im St. Pauli Theater; da coachte er bereits Schauspieler und Studierende. Übernahm Rollen im Fernsehen („Notruf Hafenkante“, „Mord mit Aussicht“) und im Kino („Stille Post“, „Meine Schwestern“). Nach drei Jahren als Ensemblemitglied am Stadttheater Bielefeld mit diversen Klassikern wie „Kabale und Liebe“, „Peer Gynt“ oder „Othello“ hat Pleva 2015 noch mal neu in Hamburg angedockt.

Am Ernst Deutsch Theater hat er Hauptrollen wie Nobelpreisträger James Watson in „Foto 51“ gespielt. Zuletzt überzeugte Pleva dort in der bitterbösen Komödie „Adel verpflichtet“ mit seinem einfühlsamen Spiel als tragisch-gewiefter Mörder Victor Lopez.

Doch er – das ist zu spüren – fühlt sich auch im Ohnsorg wohl. Hier debütierte Pleva im Vorjahr in „Allens Düütsch – oder wat?“ als italienisches Muttersöhnchen Enzo – im Fischerkittel gab er in der Multikulti-Komödie einen Popeye für Arme. In „Adam sien Appeln“ wird es erneut eine Mischform aus Hoch- und Plattdeutsch geben. „Adam verweigert sich zunächst dem Platt sprechenden Landpastor, aber langsam spricht auch Adam immer mehr Platt“, erzählt Pleva. „Die Sprache kommt gewissermaßen vor Adam in der Landoase an.“ Eine Idee, die mit Regisseur Murat Yeginer entstand. Die schwerste Arbeit ist für Pazifist Pleva aber, Adams Gefährlichkeit rüberzubringen. Deshalb hat er mit Krafttraining angefangen – und weiter an Statur gewonnen. Wie sagt Anton Pleva so schön dezent?: „Ich will die Leute nicht mit meinem Gesicht langweilen.“