Konzert-Tipp

Alter Name, neuer Stil: Franz Ferdinand im Mehr! Theater

Franz Ferdinand, jetzt als Quintett

Franz Ferdinand, jetzt als Quintett

Foto: David Edwards

Wenn sich Songschreiber-Duos trennen, bedeutet das in der Regel die Auflösung der betreffenden Band. Das war so bei John Lennon und Paul McCartney und den Beatles und später bei Morrissey und Johnny Marr und den Smiths. Als Nick McCarty, Gitarrist und Gründungsmitglied von Franz Ferdinand, seinen Bandkollegen mitteilte, dass er aussteigen würde, war das für Alex Kapranos, den Sänger der schottischen Combo, zunächst ein Schock. Sollte die Band am Ende sein?

Er besprach sich mit Bassist Bob Hardy und Schlagzeuger Paul Thomson, und zu dritt beschlossen sie, weiterzumachen. Doch Franz Ferdinand 2018 ist eine völlig andere Band als 2004, dem Jahr, in dem das Debütalum erschien. „Always Ascending“, die gerade erschienene fünfte Platte der Gruppe, markiert einen Neuanfang und einen deutlichen stilistischen Wandel dieser gitarrenlastigen Beat-Combo aus Glasgow.

Anstelle von McCarty sind zwei neue Mitglieder hinzugekommen. Dino Bardot, früher bei den 1990’s, ist der neue Gitarrist. Entscheidender im neuen Line-up der Band ist jedoch der Multiinstrumentalist Julian Corrie. Der Sound-Bastler gehört zur Electro-Szene von Glasgow. Er sagt selber über sich, dass es ihm eher darum ging, musikalische Strukturen zu zerstören und aufzulösen. Doch nun findet er sich plötzlich in einem Ensemble wieder, das für seine Livequalitäten gerühmt wird. Corrie war bisher eher ein Musiker, der sich im Club hinter seinen Mischpulten und Keyboards verstecken konnte. Bereits auf dem Titelsong, der das aktuelle Album eröffnet, wird Corries Einfluss hörbar. Die Nummer klingt mit seinem Arrangement aus Chor, Klavier und Geräuschen nach Electro-Disco. Gitarren sind hier keine auszumachen, nur Kapranos’ Gesang macht klar, dass es sich um Franz Ferdinand handelt.

Im weiteren Verlauf des Albums tauchen dann zwar zuweilen die typischen rhythmisch geschlagenen Gitarrenakkorde auf, doch Franz Ferdinand hat sich nach der Umbesetzung quasi neu erfunden. Auf der einen Seite macht das Quintett Disco-Post-Punk der Gegenwart, auf der anderen steckt auch eine Menge 80er-Jahre-Synthie-Pop in den neuen Songs. Franz Ferdinand ist immer wichtig gewesen, dass ihre Stücke genug Tempo für ausgelassenes Tanzen haben. Das hat sich auf „Always Ascending“ nicht geändert. Als Produzent ist Zdar mit der Band im Studio gewesen. Er ist eine Hälfte des französischen French-House-Duos Cassius, und auch Zdar hat kräftig dazu beigetragen, dass die Schotten einen neuen Sound entwickeln konnten.

Von den britischen Bands, die Anfang der Nullerjahre ihre ersten Platten gemacht und erfolgreich waren, sind nur Franz Ferdinand und die Arctic Monkeys als immer noch relevante Gruppen übrig geblieben. Und Nick McCarty? Der kümmert sich um seine Kinder, produziert in London Musik und musiziert bei den Indie-Combos Lunsentrio (spielte kürzlich im Pudel) und Manuela, der Band seiner Frau. Auf monatelange Tourneen durch Europa und die USA hatte er keine Lust mehr. Sein Schatten liegt immer noch über Franz Ferdinand. Aber nach dem starken neuen Album und der laufenden Tournee könnte der sympathische Gitarrist bald in Vergessenheit geraten. Denn das neue Pärchen bei Franz Ferdinand heißt Alex Kapranos und Julian Corrie.

Franz Ferdinand Do 1.3., 20.00, Mehr! Theater am Großmarkt (Bus 3), Banksstraße 28,
Karten 43,50 (Ak.); www.franzferdinand.com