Gastro-Tipp

Das Zeik: Neue Spitzenköche in Winterhude

Foto: Marcelo Hernandez

Es gehört Mut dazu, mit noch nicht einmal 30 Jahren ein etabliertes Restaurant zu übernehmen, den Namen beizubehalten, die Karte aber komplett zu ändern. Maurizio Oster hat diesen Mut. Er ist der neue Betreiber des Zeik an der Sierichstraße. Bis vor Kurzem brachte hier Ex-Sternekoch Axel Henken asiatische Kombinationen auf den Teller. Jetzt stehen Oster (29) und Robin Bender (27) am Herd – und auf den Tisch kommt regionale und saisonale Küche.

Entscheiden zu können, wann er was anbietet, sei für ihn ein Grund für die Selbstständigkeit gewesen, sagt Oster. „Meine Philosophie ist, die Produkte dann zu nutzen, wenn sie gut und lecker sind.“ Ostersonntag haben die beiden Spitzenköche zum ersten Mal für ihre Gäste gekocht. Das habe gut funktioniert, sagen sie. „Wir kennen uns noch nicht gut, aber wir arbeiten gut zusammen.“ Im Restaurant schaffen dunkles Holz, lederbezogene Sitzmöbel und schönes Licht eine behaglich-gediegene Atmosphäre. Noch während wir in die Karten schauen, stellt Restaurantleiterin Maria ein vorgewärmtes, mit Heu ausgelegtes Betonschälchen auf den Tisch. Darin warten drei kleine Brötchen aus Dinkel, Malz, Sauerkirschen und Sonnenblumenkernen darauf, mit gewürzter Butter bestrichen zu werden. Die Schale hat Robin Bender – verrät er uns später – aus Bastelbeton hergestellt. Dazu passt das kleine Buttermesser aus Olivenholz.

Die Gerichte sollen glücklich machen – und ihnen vielleicht einen Stern bringen

Ihre Liebe zum Detail zeigt sich auch bei den Gerichten. Diese werden auf der Karte nur mit den drei wichtigsten Zutaten beschrieben, bieten tatsächlich aber viel mehr. Wilder Brokkoli, Haselnuss, Sauerrahm (13,50 Euro) ist eine tolle Geschmackskombination, die durch frittierte Brokkolisprossen abgerundet wird; Burmeister Räucheraal, Rote Bete, Ziegenkäse (15 Euro) besteht aus Roter-Bete-Mousse und -Asche, zweierlei Frischkäse und einem geschmackvollen Sud.

Die Zutaten harmonieren perfekt miteinander – wir sind fast traurig, als die Teller leer sind. Zum Glück geht der Genuss mit dem Gruß aus der Küche gleich weiter: auf filigranen, Ein-Euro-Stück großen Sauerteigchips ist Dreierlei von Sellerie (Grün, Saat und Püree) untergebracht und mit schwarzem Trüffel bestreut. Spätestens jetzt sieht und schmeckt man das Interesse der beiden an der Sternegastronomie. Oster, der in einem Best-Western-Hotel gelernt hat, kochte sich über die MS „Europa“, das Haerlin, eine Berggasthütte und die Vlets (Alster und Speicherstadt) nach oben. Benders letzte Station war das Se7en Ocean. „Wir wollen unsere Gäste glücklich machen“, sagt Oster. „Wenn ein Stern dabei rausspringt, wäre ich froh.“

Mein Glück trübt sich vorübergehend beim zweiten Gang. Ich hatte Salzwiesenlamm, Kerbelwurzel, Walnuss gewählt (16,50 Euro) bestellt und Bauchfleisch auf dem Teller – lecker gewürzt, aber zu fett. Mit einem neuen Stück versöhnt mich Oster wieder, meine Begleitung ist mit ihrem Rosa Onglet, Nussbutter, Hollandaise (28 Euro) ohnehin mehr als zufrieden. Glücklich machen auch der wunderbare Bordeaux Sauvignon (8,90 Euro) und ein trockener Primitivo (12 Euro). Als die Gläser leer sind und der letzte Löffel des köstlichen Desserts (Salzkaramell, Birne, Zitronenverbene, 9 Euro) abgeschleckt ist, gehen wir nach Hause – mit einem Wohlgefühl, das bei mir noch lange anhält.

Zeik Sierichstraße 112, dienstags bis sonnabends 18 bis 22 Uhr, T. 46 65 35 31

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