Restaurant in Eimsbüttel

Moderne deutsche Küche im Wieckenberg

Das Lokal ist ein Hort des Glücks. Raffinierte Gerichte treffen auf gute Weine, günstige Preise und mehr.

Hamburg. Wäre Jörg Wieckenberg Bartträger, sähe er ein bisschen aus wie Bernd Stromberg, der notorische Chef-Versager aus der gleichnamigen TV-Serie, und man würde ihn vielleicht nicht ernst nehmen. Doch während beim Versicherungs-Abteilungsleiter von ProSieben das Scheitern Programm ist, hat Wieckenberg in seinem gleichnamigen Restaurant mit moderner deutscher Küche und Zutaten aus aller Welt Erfolg. „Läuft…“, wie Stromberg sagen würde.

Aus guten Gründen: Wieckenberg bringt erstklassige Qualität zu günstigen Preisen auf Teller und Tische in Eimsbüttel. Selten, dass ein Hauptgericht mehr als 20 Euro kostet; regelmäßig erwarten den Gast großartig gelungene Gerichte, die den Eigengeschmack der Grundprodukte in den Mittelpunkt stellen.

Dieser Tage bzw. Abende bietet es sich an, mindestens mal den Aperitif auf der kleinen Terrasse vor dem mit dezent grünem Retro-Charme eingerichteten Lokal zu nehmen. Der Prosecco mit Rhababermark (3,80 Euro) war eine schöne, erfrischende Ouvertüre zum Konzert der kreativen Kompositionen: Marinierte Kalbszunge mit steirischem Kürbiskernöl, Friséesalat und Radieschenvinaigrette, gebackener Ziegenkäse mit Vanillekrokant, Tamarillochutney, Ackersalat und gebrannten Pistazien und sogar das anderswo leicht zum Langweiler geratende Lachscarpaccio (in Orangenmarinade mit zweierlei Kaviar, Spargelsalat und rosa Pfeffer, Vorspeisen 8 bis 9 Euro) begeisterten – wie auch das hausgebackene frische Brot. Dessen üppiger Konsum sowie zwei super Suppen (Spargel mit Lachs-Wan-Tan und Schnittlauch, Garnelenbisque mit Crème fraîche und Austern-Tempura, 6 bzw. 7 Euro) sollten allerdings dazu führen, dass die Tester nicht mehr in der Lage waren, ein Dessert (6 bis 7 Euro) zu verkosten.

Nächstes Mal sind wir vorsichtiger – aber nehmen vielleicht wieder das gegrillte Entrecote zum Hauptgang. Herrlich zartes Fleisch vom irischen Herefordrind, veredelt mit Garnelen-Estragon-Kruste, Rotwein-Babyspinat und Parmesan-Trüffel-Krapfen. Eine Offenbarung! Der waren Lamm und Iberico-Schwein dicht auf den Fersen: jeweils ein Rückenstück, im Falle des Ferkels vom ansteckend freundlichen und kompetenten Service aufgetischt mit der raffinierten Kombination aus frischem Heidespargel, Vanille, Pinienkernen und Mascarpone-Dattel-Agnollotti (Teigtaschen). Das irische Lamm kam mit marinierten Paprika, einem Bohnenbündel, toskanischem Lardo (Schweinerückenspeck) und Ziegenkäse-Polenta. (Hauptgericht z.B. Gnocchi um 12, Fisch und Fleisch 18 bis 20 Euro, Menü Surprise: drei/vier Gänge 30/35 Euro).

Wer so virtuos mit fester Nahrung zaubert, will sich mit seinen Weinen nicht blamieren. Löblich die große Auswahl an Offenen (sechs Weiße, fünf Rote, ein Rosé, ab 3,80 Euro/0,2 l), dazu gibt’s viele feine Flaschen (Pfalz, Baden, Südeuropa, -amerika und -afrika, ab 18 Euro), unter denen sich ein würdiger Begleiter für jedes Gericht finden lässt. Und dann: „Läuft…“

Wieckenberg Mo–So 11.00–23.00, Eppendorfer Weg 98 (Bus 4, 20, 25), T. 72 96 21 49; Infos im Internet: www.wieckenberg.com