Kleine Fluchten: "Hotel Hohenhaus" in Herrenhausen/Holzhausen

Ruhiges Landgut mit Michelin-Stern

In der Abgeschiedenheit bewaldeter Höhen genießt der Gast viel Komfort.

"Das Dorf Holzhausen liegt versteckt in einer fast kesselförmigen Vertiefung des südlichen Theils des sogenannten Ringgaugebirges zu Füßen der Brandenfels, auf drei Seiten von gebirgigen Anhöhen, theils Waldungen umgeben, nur in der Richtung nach Süden etwas offen." So beschrieb der Katasterbeamte Johann Heckert die Lage des Rittergutes Hohenhaus im Steuerkataster des Jahres 1841.

Längst ist aus dem einstigen Rittergut ein charmantes Landhotel geworden, geblieben ist die Abgeschiedenheit jenseits der Hauptstraßen zwischen Bad Hersfeld und Eisenach. "Unsere Gäste fallen in ein tiefes Loch der Erholung", sagt Hausherr Hannes Horsch. "Hier hören sie keine Flugzeuge, die nächste Landstraße ist einen Kilometer entfernt."

Hohenhaus kann auf eine über 400-jährige bewegte Geschichte zurückblicken. Zentrum der weitläufigen Anlage ist ein schlossartiges Cottage im englischen Stil, das 1901 durch den Umbau alter Gutsgebäude entstand. Seit 1982 werden Gäste empfangen. Sechs mit wertvollen Antiquitäten ausgestattete Zimmer befinden sich in diesem Cottage, die restlichen 20 Gästezimmer liegen im Obergeschoss der Remise, die einst als Pferde- und Kutscherstall diente. Für die Umgestaltung dieses Gebäudes erhielt der Frankfurter Architekt Jochen Jorudan den hessischen Innovationspreis.

Die Zimmer sind geschmackvoll und komfortabel eingerichtet. "Der Gast soll sich so fühlen, als wäre er in einem großen privaten Landhaus und nicht in einem Hotel", sagt Horsch. So sieht man überall Antiquitäten, im Laufe mehrerer Jahrzehnte zusammengetragen. Auf den Fluren hängen unter anderem Originalradierungen von Kokoschka.

Im Erdgeschoss empfängt eine großzügige Lobby die ankommenden Gäste. Zentrum der lang gestreckten Halle mit bodentiefen Fenstern ist ein Kamin, in dem am Abend die Holzscheite prasseln.

Ingo Bockler, von der Zeitschrift "Der Feinschmecker" schon zum Koch des Monats gekürt, lockt Gourmets aus der ganzen Region an. Im Umkreis von 100 Kilometern ist Hohenhaus das einzige Restaurant mit Michelin-Stern. Bei den Zutaten kann Bockler zumeist auf lokale Produkte zurückgreifen. Er kennt die Bauern der Umgebung, die Rinder und Schweine züchten und die Bio-Gemüse und Kräuter erzeugen. Aus eigener Produktion kommen Ziegenkäse, Honig, Apfelsaft und Kirschwasser dazu. Eine ganz besondere Spezialität sind die schwarzen Hohenhaus-Nüsse. Ende Juni werden die unreifen Walnüsse geerntet und einer aufwendigen Behandlung unterzogen. Nach sechs Monaten Lagerung im Glas passen sie kalt perfekt zu Käse oder warm zu Wildgerichten. Weil zum Gut auch eine eigene Jagd gehört, stehen auf der Speisekarte je nach Saison viele Wildgerichte.

"Unsere Gäste sind anspruchsvoll. Sie erwarten keinen Protz und jagen irgendwelchen Trends nach. Die Qualität muss einfach stimmen", weiß Horsch. Viele seien Stammgäste und kommen jedes Jahr, manche schon seit mehr als 20 Jahren. Das sei Auszeichnung und Verpflichtung zugleich. Zum gastronomischen Angebot gehört auch eine ausgezeichnete Weinkarte mit über 300 Positionen.

Zum "Hotel Hohenhaus", seit 1990 Mitglied in der feinen Hotelkooperation Relais & Chateaux, zählt ein Tennisplatz, Golfer kommen auf einem nahe gelegenen Platz auf ihre Kosten. Gelegenheit zu sportlicher Betätigung bietet auch das im Untergeschoss des Hotels gelegene Hallenbad mit Gegenstromanlage. Dazu kommen Sauna, Solarium und Massageräume. Wellness bietet aber vor allem die Natur. Rund 1680 Hektar Wald und Wiese gehören zum Gut. Sie laden ein zu ausgedehnten Radtouren oder Spaziergängen.

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