Der "Havneby Kro" auf Rømø

Mit dem Privileg der dänischen Krone

Pferdeliebhaber sind in dem kleinen Hotel bestens aufgehoben, denn die Eigentümer betreiben außerdem noch einen Reitstall.

So kann man auch zum Wirt werden. Am 1. Juli 1644 kam es auf der Ostsee zu einer Seeschlacht zwischen der dänischen und der niederländisch-schwedischen Flotte. An Bord des dänischen Flaggschiffes befand sich König Christian IV. Während der Schlacht stürzte er und verletzte sich am Auge; sein Kapitän dachte, er sei tot - und befahl, die Flagge zu streichen. Der Matrose Gram aus Rømø dachte jedoch nicht daran, dies zu tun. So kämpften die Dänen weiter und siegten schließlich. Nach dem Kampf ließ der König den Matrosen zu sich rufen, er wollte ihm einen Wunsch erfüllen.

Etwas überraschend erbat sich der Matrose das Recht, "auf ewige Zeiten" die Fährverbindung zwischen Rømø und Jütland zu betreiben. Wenig später bekam er vom König noch die Erlaubnis, einen königlich privilegierten Krug mit Alkoholausschank zu eröffnen. Der "Havneby Kro" am Hafen von Rømø blieb über 300 Jahre (bis 1986) im Besitz der Familie Gram-Schmidt.

Die jetzige Eigentümerin kam auf nicht ganz so dramatische Weise zum Kro. Nach 1986 war die Kneipe verpachtet worden, und als der Pächter vor rund fünf Jahren aufgab, kauften Helle Thomsen und ihr Vater Sigurd die heruntergekommene Hafenspelunke. Nur knapp einen Kilometer weiter Richtung Strand und Dünen betreiben die Thomsens eine Pferdepension und einen Reitstall.

Das trifft sich gut, denn so kann Helle auch ihre sehr beliebten Reiterkurzferien anbieten: Übernachten und essen im Kro, ausreiten - mit dem eigenen oder dem Mietpferd - von der Pferdepension. Im Laufe der letzten Jahre wurde aus der einstmals schäbigen Fischerkneipe allmählich wieder ein freundlicher Kro. Die Gästezimmer wurden allesamt renoviert und neu ausgestattet, sie sind jetzt hell und freundlich: "Jeden Winter ein paar Zimmer, so haben wir bald nach und nach das ganze Haus renoviert", lacht Helle Thomsen mit ihrer angenehmen Fröhlichkeit. Einige Familienzimmer mit einem Doppelbett und zusätzlicher Schlafgelegenheit auf einem erhöhten Schlafboden gibt es ebenfalls schon, auch diese sind hell und modern eingerichtet.

Als erstes bauten die Thomsens jedoch ein neues Restaurant. Das "Zanzibar" bietet eine bodenständige, solide, bürgerliche Küche. "Große Portionen - das kommt hier bei meinen Gästen am besten an", meint Helle, die selber (mit) kocht und die einst in Stuttgart zur Konditorin und Köchin ausgebildet wurde. Gerichte wie eine Fischsuppe mit reichlich Einlage als Vorspeise oder, als Hauptgericht, gut gebratenes Steak mit verschiedenen Beilagen; Zanderfilet oder Kabeljau auf Spinat mit pikanter Soße sind tatsächlich genau das Richtige für einen Kro am Hafen von Rømø.

Etwas deftig, aber passend zum zuweilen rauen Wetter und dem touristischen und gastronomischen Anspruch dieser beliebten Familieninsel. Dass man dazu recht gute Weine auf der Karte finden kann, ist erfreulich: Für den Sommer liegt ein Bardolino Classico Rose bereit, an Weißweinen gibt es beispielsweise einen Chardonnay aus Argentinien, einen Riesling aus dem Elsass, einen Vouvray von der Loire oder, natürlich, den obligatorischen Chablis. Die Rotweine kommen aus Australien, Chile, Südafrika oder Spanien sowie aus dem italienischen Veneto. Im Sommer veranstalten Helle und ihre Mitarbeiter regelmäßig die beliebten Grillabende, die legendären Piratenabende für Kinder und, immer am Dienstag, Donnerstag und Freitag (ab Ende Juni bis September) das große Büfett im "Zanzibar".

Das einzige Problem für sie, so Helle, sei das Personal: "Im Sommer läuft das Restaurant so gut, da brauche ich immer Leute für Service und Küche!" Offenbar hat es sich herumgesprochen, dass man hier, in Sichtweite der mehrmals täglich ablegenden Sylt-Fähre, einen sehr angenehmen Aufenthalt mit der Familie einplanen sollte.

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