Überseeboulevard

Hamburgs Gastromeilen: Eine kleine Weltreise am Hafenrand

Am Überseeboulevard in der HafenCity schmeckt’s wie in Italien, Frankreich, Israel oder auch der Mongolei. Teil 17 der großen Serie.

Die Straße macht ihrem Namen alle Ehre: Sie ist eine Fußgängerzone zum Bummeln und Schlendern. Und das gastronomische Angebot ist wie eine kulinarische Weltreise. Willkommen auf dem Überseeboulevard!

1. Andronaco Gleich am Anfang geht es nach Italien. „Ciao, due caffè per favore, grazie mille“, hallt es lebendig und laut durch den großen Raum. „Wir sind ein Bistro mit Mercato“, sagt Stefano Di Marco. Er ist Betriebsleiter beim italienischen Großhändler Andronaco in der HafenCity. Gerade zur Mittagszeit sind die 140 Plätze drinnen und rund 100 draußen gut gefüllt. Pizzen mit verschiedenen Belegen, Nudeln auf vielfältige Art, frischer Fisch, Antipasti, Salat und natürlich Naschereien wie Tiramisu oder Eis zum echten Espresso kommen seit drei Jahren auf den Tisch. Es ist Selbstbedienung, und die Preise sind günstig. Für ein romantisches Rendezvous ist die Kantinen-Atmosphäre allerdings nicht geeignet. Aber dafür ist es trubelig und laut wie in einer Trattoria in Rom oder Mailand. Regelmäßig gibt es Livemusik und Spezialitäten-Abende, sonntags wird gebruncht. Und im Supermarkt gibt es Wein und Schmankerl für die italienischen Momente zu Hause.
Am Sandtorkai 44/Ecke Überseeboulevard, Mo–Mi, So 11.30 –21 Uhr, Do–Sa 11.30–22 Uhr, So Brunch 10.30–14 Uhr, Supermercato Mo–Sa 10–19.30 Uhr, 040/76794390, www.andronaco.info

2. Bistro Paris Gegenüber betreibt Jan Röhe seit sieben Jahren das Bistro Paris. Französische Spezialitäten wie Galettes, Croques oder Flammkuchen bereitet der Koch und Küchenmeister mit seinem Team zu. „Außerdem gibt es wöchentlich wechselnden Mittagstisch wie Putencurry, Chili con Carne oder Königsberger Klopse“, sagt der 46-Jährige. Und natürlich Frühstück mit Croissants. In der Vitrine lockt das Kuchenangebot. Drinnen sitzt man auf weißen Bistrostühlen, rund 70 Gäste finden hier Platz. Und draußen unter der Markise kann man schön mit einem Getränk vor sich den Nachmittag vertrödeln und Leute beobachten.
Osakaallee 2–4, Mo–Fr 8–19 Uhr, Sa/So 10–19 Uhr, 040/18049610, www.bistro-paris.de

3. Mamson Und nur wieder ein paar Schritte weiter landet man in Asien. Frühlingsrollen und die Suppe Tom Kha Gai, gebratener Reis und gebratene Nudeln mit Gemüse, Fisch oder verschiedenen Fleischsorten, dazu Sushi sowie Götterspeise und frisch aufgeschnittenes Obst zum Dessert bietet das mongolische Büfett in der Woche zur Mittagszeit. Wer großen Hunger hat, kann sich hier nach Herzenslust satt essen. Am Abend werden Speisen für den Gast live auf dem Grill oder im Wok zubereitet. Dafür wählt man die Zutaten aus, übergibt den gefüllten Teller einem Koch, der dann alles frisch verarbeitet, bevor das Gericht heiß und individuell zum Gast kommt. Der Service ist flink und freundlich. Rund 200 Menschen finden draußen und drinnen Platz. Das Lokal hat große Fenster zum Überseeboulevard sowie zur Osakaallee und wirkt trotz des Raumangebotes gemütlich mit stilleren Ecken.
Osakaallee 6, Mo–Fr 11.30–22.30 Uhr, Sa 12–23.30 Uhr, So 12 – 22.30 Uhr, 040/32901860, www.mamson.de

4. Wildes Fräulein Im Zickzack auf die andere Straßenseite und ab in die Alpen. „Café mit deftiger Bergbauernküche“ möchte das Wilde Fräulein sein. Brotzeiten, Suppe und Salat, Kaffee und Weine aus Südtirol, Käsespätzle und Bier aus dem Allgäu, Kaiserschmarrn und Tiroler Knödel aus Österreich, Skiwasser und Almdudler aus dem Winterurlaub genießen Bergsteiger und Flachlandtiroler gleichermaßen. Täglich gibt es außerdem ein wöchentlich wechselndes Mittags­gericht. Viel Holz und Kuhglocken als Lampen verströmen rustikalen Hütten-Chic, außerdem steht eine echte Gondel der Bergbahnen Sölden im Lokal. Drinnen und draußen können jeweils 100 Gäste Platz finden.

Der Sage nach waren die „wilden Fräuleins“ früher die Ureinwohner der Alpen und galten als fleißig und sehr gastfreundlich. Allerdings durften sie nie bei ihren Namen genannt werden, da sie sonst für immer verschwanden. Heute erinnert noch der 1615 Meter hohe gleichnamige Berg in der Nähe vom Spitzingsee­ an die märchenhaften Geschöpfe.
Überseeboulevard 2, Mo–Fr 10–19 Uhr, Sa/So 9–19 Uhr, 040/88230951, www.wildes-fraeulein.de

5. Lieblingsplatz Ambitioniert ist der Name des Bis­tros wiederum auf der anderen Seite: Lieblingsplatz. Opulentes Frühstück, belegte Panini, Eierspeisen und Bratkartoffeln, Backkartoffeln mit verschiedenen Toppings sowie die Münchner Freundschaft, die sich als Leberkäse mit Brot entpuppt, sind hier die Renner. Und natürlich die Salatbar, an der man sich seine Mischung aus verschiedenen Zutaten selbst zusammenstellen kann. „Und unsere Dressings sind alle selbst gerührt“, sagt die stellvertretende Filialleiterin Nancy Rohe. Seit 2012 gibt es das Bistro mit jeweils 60 Plätzen drinnen und draußen. Brot, Brötchen und Kuchen werden dort gebacken. Und die Einrichtung ist so lieblich, dass man gerne auf einen Kaffee länger bleibt.
Osakaallee 8, täglich 7.30–19 Uhr, 040/30085788

6. Food Lovers Markt Und dann kommt der kleine Platz zwischen den Häusern, wo jeweils dienstags von 11.30 bis 15 Uhr der Food Lovers Market stattfindet. Verschiedene Foodtrucks machen Station, servieren Burger und Salate, Suppen, Hotdogs in Bioqualität, polnische Spezialitäten, Kartoffelpüree mit Toppings und Fischgerichte. In der Sonne sitzen und schmausen, das macht Spaß. Freitags von 11.30 bis 18 Uhr macht an gleicher Stelle der Ökowochenmarkt mit regionalen Produkten Station.
food-lovers-market.de

7. Neni im 25hours Nuriel, Elior, Nadiv und Ilan sind die Namensgeber für das Restaurant ziemlich am Ende vom Überseeboulevard: Neni. Die vier Jungs sind die Söhne von Haya Molcho und spiegeln die Philosophie des Lokals wider. Familie ist ein wesentlicher Bestandteil ihres Lebens. Gegessen wurde im Kreise der Familie und zusammen mit vielen Freunden – das Teilen stand im Vordergrund. Genau dieses Prinzip wird auch im Neni gelebt. An langen Tisch werden orientalisch-arabisch-israelische Speisen aus der offenen Küche serviert: Humus und Falafel, Babaganoush und „vegetarische Zigarren“ (orientalische Frühlingsrollen), Kebab und Jerusalem-Teller, Knafeh und New York Cheesecake.

„Food Sharing ist bei uns ausdrücklich erwünscht“, sagt der Restaurant-Manager Marcel Zechner. Der Österreicher hat früher im Jacob an der Elbchaussee gearbeitet und freut sich in dem gemütlich-orientalisch eingerichteten Restaurant im Souterrain vom Alten Hafenamt über das „sympathische Chaos“ auf dem Tisch. „Denn das ist Balagan Style“, so der 24-Jährige. 20 Mitarbeiter in Küche und Service kümmern sich um die Gäste. Für die gibt es etwa 80 Plätze, die meist ausgebucht sind. „Ohne Reservierung läuft eigentlich nichts“, sagt Zechner. Neben Hamburg gibt es noch Neni in Berlin, München, Wien und Zürich.
Osakaallee 12/Eingang Überseeboulevard, Mo–Fr 6.30–23 Uhr, Sa/So 7–23 Uhr, 040/555575442, www.nenihamburg.de

8. The Boilerman Bar Und zu guter Letzt noch einen Drink in der Boilerman Bar. Das Etablissement ist ein Ableger der Boilerman Bar in Eppendorf. Und Namensgeber sind die Highballs. Denn im amerikanischen Bahnwesen war der Highball ein Signal, das den Zugführer zum schneller Fahren aufforderte. Wenn dann richtig Gas gegeben werden musste, war der Boilerman derjenige, der den Kessel befeuern musste. In der Boilerman Bar ist es das Personal, das den Gästen ordentlich einheizen darf. Schwerpunktmäßig dreht sich in der HafenCity alles um Rum.
Osakaallee 12/Eingang Überseeboulevard, So–Mi 17–1 Uhr, Do–Sa 17–2 Uhr, 040/555575440, www.boilerman-hafenamt.de

Alle Teile der Serie unter abendblatt.de/gastromeilen