Konzert

Lieder von Frauen und Freiheit

Die malische Sängerin Fatoumata Diawara und der kubanische Pianist Roberto Fonseca gastieren heute in der Laeiszhalle

Seit Jahren schon kämpft Fatoumata Diawara gegen den islamistischen Terror in ihrer Heimat Mali. Ihre Waffe sind das Wort und die Musik. In ihren Songs setzt sie sich unter anderem für die Freiheit von Frauen ein und kritisiert vehement die weitverbreitete Zwangsheirat. „Mit schönen Liedern kann man die Menschen noch besser erreichen als nur mit Worten“, sagt die in Paris lebende Sängerin und Schauspielerin. Mit Entsetzen hat sie auf die Anschläge in der französischen Hauptstadt und kurze Zeit später auf die tödliche Geiselnahme in Malis Hauptstadt Bamako reagiert. 2014 war sie in dem preisgekrönten Film „Timbuktu“ zu sehen, in dem Al-Qaida-Mitglieder die Einwohner von Timbuktu drangsalieren und terrorisieren. Aktuell läuft von Diawara in den französischen Kinos „Morbayassa“, für den sie auch die Musik geschrieben hat.

Neben ihren vielen eigenen Projekten hat sie sich mit einem kubanischen Musiker zusammengetan. Roberto Fonseca und Fatoumata Diawara gehören gerade zu den aufregendsten Künstlern zwischen den Polen Jazz und Weltmusik. Heute machen sie Station in der Hamburger Laeiszhalle. In diesem Jahr ist von ihnen das Album „At Home“ erschienen, der Livemitschnitt eines Konzertes, das bei einem Jazzfestival im französischen Marciac mitgeschnitten wurde. Es zeigt die gemeinsame Sprache des Duos und die Magie ihrer Musik.

Nie ist der Begriff Afro-Cuban sinniger gewesen als beim Zusammenspiel der malischen Sängerin und des kubanischen Pianisten. Roberto Fonseca, 1975 in Havanna geboren, gehört zur jüngeren Generation kubanischer Jazzmusiker, die sich an dem großen Vorbild Chucho Valdés orientieren. Amerikanischer Jazz, afrikanische Rhythmen und traditionelle kubanische Musik finden sich im Spiel und in den Kompositionen Fonsecas wieder. Er hat mit Jazzgrößen wie Wayne Shorter, Michael Brecker und Herbie Hancock zusammengespielt, und er tourte mit dem Buena Vista Social Club. In der Band dieser Veteranen des Son war Fonseca allerdings der Benjamin. Er ersetzte anfangs den bereits schwer erkrankten Rubén González, nach dessen Tod gab er mehrere Hundert Konzerte im Orchester des legendären Ibrahim Ferrer.

Gemeinsam mit Fatoumata Diawara schafft Fonseca den Brückenschlag zwischen der Karibikinsel und dem westafrikanischen Land, aus dem im 18. und 19. Jahrhundert viele Sklaven nach Kuba verschleppt wurden. Auf Kuba ist die afrikanische Musik weiter entwickelt worden, geblieben ist die tiefe Spiritualität, die auch die Konzerte von Diawara und Fonseca zu außergewöhnlichen Begegnungen macht. Über Sklaverei singt Fatoumata Diawara nicht mehr, die Gegenwart bietet genug Themen. In „Clandestin“ zum Beispiel geht es um den Tod von Bootsflüchtlingen auf dem Mittelmeer. Alltägliche, grausame Realität.

Fatoumata Diawara & Roberto FonsecaMo 30.11., 20.00, Laeiszhalle (U Gänsemarkt), Johannes-Brahms-Platz, Karten ab 27,10; www.robertofonseca.com; www.fatoumatadiawara.fr