Bundesliga: Bayer Leverkusen ist neuer Tabellenführer

Werder Bremen enttäuscht erneut

Bayer Leverkusen ist in seinem 1000. Bundesligaspiel an die Tabellenspitze gestürmt und hat Werder Bremen noch tiefer in die Krise gestürzt.

Bremen. Bayer Leverkusen ist in seinem 1000. Bundesligaspiel an die Tabellenspitze gestürmt und hat Werder Bremen noch tiefer in die Krise gestürzt. Mit dem 2:0 (0:0) am Dienstag bei Werder Bremen durch die Tore von Arturo Vidal (72.) und Manuel Friedrich (80.) feierte der Werksklub bereits den vierten Auswärtssieg dieser Saison. Die spielerisch erneut enttäuschenden Bremer kassierten dagegen die erste Heimpleite dieser Spielzeit und konnten zudem das sechste Pflichtspiel in Folge nicht gewinnen. Vor 37 142 Zuschauern im Weser-Stadion blieb das erwartete Offensiv- Feuerwerk aus, im Duell der Nationalmannschafts-Rivalen machte im Mittelfeld Bayer-Kapitän Simon Rolfes gegenüber dem engagierten Torsten Frings den ruhigeren und effektiveren Eindruck.

"Wir haben zu wenig Punkte. Natürlich ist das eine Krise, da muss man nicht drumrumreden. Im Moment reicht das nicht, wie wir spielen", analysierte Werders Sportchef Klaus Allofs. Nach einem gellenden Pfeifkonzert der Fans meinte Werder-Coach Thomas Schaaf: "Wir kriegen unser Spiel einfach nicht durch. Wir haben ganz gut angefangen, aber danach einen Schritt zurückgemacht und machen immer wieder die gleichen Fehler. Wir sind selbst von uns enttäuscht, aber wir müssen jetzt Ruhe bewahren und dürfen nicht durchdrehen." Sein Kollege Bruno Labbadia genießt dagegen die momentane Euphorie. "Die Art und Weise wie wir hier aufgetreten sind, freut mich ganz besonders. Wir haben verdient gewonnen. Man muss unserer Abwehr ein großes Kompliment machen", erklärte Labbadia.

Werders letzter Dreier in der Fußball- Bundesliga beim 5:4 gegen Aufsteiger Hoffenheim lag fast genau einen Monat zurück. Dringlichkeit war gefordert, und dementsprechend aggressiv begannen die Bremer. Mit Leidenschaft und riskantem Tempofußball bekämpften die Gastgeber von der ersten Sekunde an die aufgekommene Unruhe und Ungeduld im Verein. Die Intensität war hoch - die Fehlerquote auch. Die fehlende Achse Tim Wiese, Diego, Claudio Pizarro wurde schmerzlich vermisst. Zudem fehlten Clemens Fritz und Daniel Jensen.

Die Rückkehr von Nationalspieler Per Mertesacker nach abgebrummter Rotsperre sorgte wenigstens für mehr Stabilität in Werders Defensive, mit 20 Gegentoren die schwächste der Liga. Vorne wirbelte vor allem Hugo Almeida. Nach zwei Minuten scheiterte er mit einem Freistoß aus aussichtsreicher Position an Bayers Nationaltorhüter Rene Adler. In der 12. Minute schrammte sein Linksschuss aus spitzem Winkel nur um Zentimeter am Bayer-Kasten vorbei.

So beherzt die Bremer in der stürmischen Anfangsphase loslegten, so mühelos kontrollierte Bayer das Geschehen danach. Mit intelligentem Raumverhalten, Ballsicherheit und gefälliger Offensivkultur deuteten die Leverkusener zumindest an, warum sie als bestes Auswärtseam der Bundesliga nach Bremen reisten. Michal Kadlec (24.) per Freistoß und Patrick Helmes (38.) scheiterten jedoch knapp.

Die zweite Hälfte war zunächst ein Abziehbild der ersten. Werder investierte wesentlich mehr, aber der finale Pass in die Spitze war meist zu ungenau. Ungewöhnlich viele Bremer Abspiel-, Denk- und Stellungsfehler erleichterten Bayer die Abwehrarbeit und ermöglichten die Gäste-Führung. In der Vorwärtsbewegung abgefangen, wurde Werder eiskalt erwischt. Ersatz-Torhüter Christian Vander sah bei einem Helmes-Kopfball von der Seite unglücklich aus, und der Chilene Arturo Vidal hatte bei seinem dritten Saisontor (72.) aus kürzester Distanz leichtes Spiel.

Verzweifelt erhöhte Werder noch einmal den Druck. Statt des verdienten Ausgleichs durch den Volley-Schuss von Markus Rosenberg, den Adler mit einer Weltklasse-Parade (79.) verhinderte, besiegelte Friedrich das traurige Werder-Schicksal. Als Titelanwärter in die Saison gegangen, haben die ambitionierten Bremer im Moment ganz andere Sorgen.