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SPD Hamburg Nord

„Du musst dich vor Ort kümmern!“

Dorothee Martin tritt für die SPD Hamburg Nord als Kandidatin für die Bundestagswahl 2021 an.

Dorothee Martin tritt für die SPD Hamburg Nord als Kandidatin für die Bundestagswahl 2021 an.

Foto: SPD Hamburg Nord

Am 26. September 2021 wird in der Republik ein neuer Bundestag gewählt.

Über die Frage, wer für die SPD Hamburg Nord antritt, musste nicht lange diskutiert werden: Dorothee Martin, die den Wahlkreis derzeit bereits erfolgreich in Berlin vertritt, konnte auf der Wahlkreisdelegiertenversammlung 95 Prozent der Stimmen hinter sich vereinen. Damit wurden die Weichen für einen dynamischen und aussichtsreichen Wahlkampf gestellt.

Im Bundestag macht Dorothee Martin sich im Finanzausschuss unter anderem stark für eine gerechte und effiziente Finanzpolitik, bezahlbare Mieten, gute Mobilität und Klimaschutz, der Arbeits- und Asubildungsplätze schafft. Wir trafen die 43-Jährige zum Interview.

Liebe Dorothee...

Dorothee Martin: Doro, bitte. Nur meine Eltern nennen mich Dorothee.

Liebe Doro, du bist 1997 nach Hamburg gezogen. Erinnerst du dich noch an das erste Bild, das du von der Stadt hattest?

Dorothee Martin: Eigentlich war ich sogar schon mit elf zum ersten Mal in Hamburg. Das Bild habe ich noch vor Augen: Ich stand mit meinen Eltern an den Landungsbrücken und da habe ich zu meinem Vater gesagt: „Papa, hier werde ich mal leben.“ Das war die beste Entscheidung meines Lebens.

Was genau zog dich hierhin?

Dorothee Martin: Ich komme aus einem Dorf in der Pfalz. Es war toll, dort aufzuwachsen. Aber ich wollte einfach raus, wollte nach Norddeutschland. Dorthin, wo Wind und Wasser sind, wo es weit ist, wo die Leute etwas offener sind. Hamburg hat für mich etwas Majestätisches, Offenes und Klares: die Gebäude, das Rathaus, Alster und Elbe. Ich habe mich nach dem Abitur an der Universität Hamburg beworben, habe ein Zimmer im Studentenwohnheim an der Alsterdorfer Straße gefunden und Politikwissenschaft und Staatsrecht studiert.

Wenn Hamburg die schönste Stadt der Welt ist, dann ist der Hamburger Norden der schönste Wahlbezirk der Welt, oder?

Dorothee Martin: Hamburg ist eine der schönsten Städte der Welt. Und der Norden ist besonders schön und vielfältig! Wir sind sehr selbstbewusst hier, wissen, was wir haben.

Welcher ist dein Lieblingsort im Hamburger Norden?

Dorothee Martin: Der Alsterlauf! Vor allem eine Grünfläche in der Brabandstraße in Alsterdorf, da habe ich schon mit 19 gesessen. Die Alster gehört für mich maßgeblich zur Lebensqualität in Hamburg. Egal, ob ich einfach am Ufer Kaffee trinke oder ob ich an ihr entlang spaziere. Da habe ich sehr schnell das Gefühl, ich bin nicht mehr in der Stadt, sondern direkt in der Natur.

Woher stammt deine Leidenschaft für die Politik?

Dorothee Martin: Bei uns zuhause haben wir immer um 20 Uhr die „Tagesschau“ geguckt. Mein Vater war bei den Freien Wählern in unserem Dorf aktiv, wir haben beim Essen sehr viel über Politik geredet. Außerdem: Ich hatte einen tollen Sozialkunde-Lehrer. Dieser Lehrer sagte uns im Abi-Jahr: So, jetzt mal die Schulbücher beiseite, wir reden im Unterricht über das, was gerade in der Welt passiert.

Und die erste Berührung mit der Sozialdemokratie?

Dorothee Martin: Die entstand durch eine Studienfreundin aus Langenhorn, die bei den Jusos war. Das war im Wahlkampf 1998. Da ging es um Aufbruch! Weil ich mich gesellschaftlich engagieren wollte, bin ich im Oktober 1998 in die SPD eingetreten.

Was hat dich die Politik gelehrt?

Dorothee Martin: Du musst dich vor Ort kümmern! Das merke ich in meinen Bürgersprechstunden: 70 bis 80 Prozent der Themen sind regional. Dafür bin ich auch als Bundestagsabgeordnete zuständig. Ich bin als junge Politikerin in die Kommunalpolitik eingestiegen und habe schnell gelernt, dass man gerade als Frau hartnäckig sein und sich Gehör verschaffen muss. Bald schon saß ich in vielen Gremien, was dazu geführt hat, dass ich den Norden der Stadt in- und auswendig kenne. 2008 bin ich Bezirksabgeordnete geworden. Als der schwarz-grüne Senat gescheitert ist und Neuwahlen anstanden, habe ich gesagt: Ich möchte für die Bürgerschaft kandidieren. Und habe 2011 den Wahlkreis zum ersten Mal direkt gewonnen.

Welche ist die wichtigste politische Eigenschaft für dich?

Dorothee Martin: Klingt abgedroschen, ist aber wahr: Man muss Menschen mögen. Und zuhören, verstehen, anpacken. Anders geht’s nicht.

Welche Themen liegen dir besonders am Herzen?

Dorothee Martin: Mobilität und Verkehr. Für mich ist Mobilität gleichbedeutend mit Lebensqualität – in Bezug auf Teilhabe, Gestaltung des Stadtraums und Klimaschutz. Jeder Mensch ist mobil, jeder Mensch bewegt sich im Straßenraum.

Welches verkehrspolitische Ziel strebst du an?

Dorothee Martin: Ich will erreichen, dass jeder in Hamburg sagt: Ich brauche mein eigenes Auto nicht mehr, weil ich ein so gutes Angebot an ÖPNV, an Car-Sharing- Diensten und an Leihrädern habe. Ich kann dieses Angebot bequem und in einem angemessenen Preis-Leistungs-Verhältnis nutzen. Zur Verkehrspolitik gehört auch eine gute Stadtentwicklungs-Politik: Täglich pendeln 300 000 Menschen nach Hamburg. Viele von ihnen haben die Stadt verlassen, weil sie sich keinen Wohnraum leisten konnten. Also müssen wir ein besseres Wohnraum-Angebot schaffen. Und in Neubaugebieten müssen wir die Mobilität gleich mitdenken.

Welches zweite Thema bewegt dich?

Dorothee Martin: Ich will Frauen ermutigen, sich zu melden. Sagt, was ihr wollt! Wartet nicht darauf, dass jemand kommt und euch ruft. Ich will vor allem jungen Frauen ein Vorbild sein, dass sie sich etwas trauen.

Wie stark ist Hamburg in der Bundespolitik? Welche Rolle spielt unsere Stadt in Berlin?

Dorothee Martin: Politische Mega-Trends entstehen oft in Metropolen. Von daher ist Hamburg ein Modell für die Bundespolitik. Wir sprachen gerade über Mobilität und Wohnen: Da ist Hamburg für viele ein Vorbild. Auch beim Thema Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung können wir sagen: Diesen Anspruch gibt es in Hamburg schon.

Woran denken andere Politikerinnen und Politiker, wenn sie an Hamburg denken?

Dorothee Martin: Hamburg gilt als eine gut funktionierende Stadt. Wir Hamburger wissen, dass wir nur etwas erreichen können, wenn wir uns mit allen an den Tisch setzen, auch mit der Wirtschaft. Es geht nur miteinander, nicht gegeneinander. Die Grundlage für die Entwicklung in Hamburg hat klar Olaf Scholz gelegt. Etwa: Durch eine kostenlose Kita gibt es für alle eine gleiche Startchance im Leben. Dadurch ist auch die Berufstätigkeit von Frauen in den vergangenen zehn Jahren sprunghaft gestiegen. Hamburg funktioniert, weil wir unseren Fokus auf eine Politik der Mitte legen. Was hier funktioniert, kann auch woanders funktionieren.

Was konkret hast du als Bundestagsabgeordnete für den Hamburger Norden erreicht?

Dorothee Martin: Ich habe mich für Projekte eingesetzt, die Bundesförderung bekommen haben, etwa die Kirchensanierung in Bergstedt – das ist ein Identifikationsmerkmal für die Region. Stolz bin ich auf die Sanierung des Goldbekhauses, für die ich jetzt drei Millionen Euro aus Berlin geholt habe. Das Heinrich-Heine-Gymnasium in Poppenbüttel bekommt nun eine größere Sport- und Mehrzweckhalle, die der Sportverein mitbenutzen kann. So werden mehr Kinder Sport treiben können. Das ist wichtig!

Welche Projekte willst für die nächste Legislaturperiode angehen?

Dorothee Martin: Ich will erreichen, dass wir im Bund die Mittel für den sozialen Wohnungsbau aufstocken. Davon fließt ganz viel Geld nach Hamburg. Und natürlich weitere Unterstützung für den Ausbau des ÖPNV. Dafür brauchen wir die finanzielle Hilfe des Bundes!

Mit welchen Themen kommen die Bürgerinnen und Bürger zu dir?

Dorothee Martin: Die Themen sind sehr vielfältig. Bei Sprechstunden in Sasel geht es oft um das Thema Fahrrad. Ich erkläre dann, dass die Strategie Hamburgs nicht nur darin besteht, neue Radwege anzulegen, sondern das gesamte Verkehrskonzept neu zu denken. In Langenhorn geht es um das Neubaugebiet Diekmoor, wo 700 neue und bezahlbare Wohnungen entstehen sollen. Dafür muss ein Teil der dortigen Kleingärten verlegt werden. Das sorgt für Diskussionen, klar.

Wer mit der Erststimme Dorothee Martin wählt...

Dorothee Martin: ... bekommt eine Abgeordnete, die diesen Wahlkreis sehr gut kennt. Ich kenne durch meine Erfahrung jede politische Ebene von Hamburg und bin auch deshalb in vielen Bereichen durchsetzungsstärker als andere Kandidaten. Ich bin so wohl Bundes- als auch Landespolitikerin.

Du lebst nun seit 23 Jahren in Hamburg. Auf einer Skala von eins bis zehn: Wie stark bist du zur Hamburgerin geworden?

Dorothee Martin: Acht Punkte Hamburgerin, zwei Punkte immer noch das Dorfkind.