Urlaub in Corona-Zeiten

Tourismus: So konträr wirkt sich Corona auf den Norden aus

Wegen Corona auf Distanz  gehen: „Bitte Abstand halten“ steht auf diesem Schild, das am Strand von  Niendorf an der Ostsee steht.

Wegen Corona auf Distanz gehen: „Bitte Abstand halten“ steht auf diesem Schild, das am Strand von Niendorf an der Ostsee steht.

Foto: dpa Picture-Alliance / Daniel Bockwoldt / picture alliance/dpa

Urlauber sind bei Städtereisen offensichtlich immer noch zurückhaltend. Schleswig-Holstein verzeichnet dagegen ein Plus.

Hamburg/Kiel.  Das Statistikamt Nord hat am Donnerstag die Übernachtungszahlen für den Monat August veröffentlicht. Während Hamburg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen Rückgang von 36,1 Prozent auf weniger als eine Million Übernachtungen – exakt 999.000 – verzeichnete, konnte Schleswig-Holstein sogar ein Plus vermelden: Im Vergleich zum August vergangenen Jahres stieg die Anzahl der Übernachtungen in Hotels und auf Campingplätzen auf 5,837 Millionen und damit immerhin um 4,8 Prozent.

Tourismus im Norden: Wegen Corona weniger Städtereisen nach Hamburg

Die Zahlen in Hamburg zeigen, dass die Touristen bedingt durch Corona bei Städtereisen offensichtlich immer noch zurückhaltend sind. Noch schlechter fällt die Bilanz für die Elbmetropole aus, wenn man die Zahlen für den Zeitraum von Januar bis Ende August betrachtet, In den 416 Hotels und Pensionen der Hansestadt wurden insgesamt rund fünf Millionen Übernachtungen gezählt. Das entspricht einem Rückgang von 50,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In Schleswig-Holstein lag der Rückgang im Zeitraum von Januar bis Ende August nur auf die Hotellerie bezogen bei 30,1 Prozent.

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Dem Abendblatt sagte Hamburg-Tourismus-Chef Michael Otremba: „Mit einem Rückgang bei den Übernachtungen von rund 50 Prozent in den ersten acht Monaten im Vergleich zum Vorjahr fällt die Zwischenbilanz weiter sehr ernüchternd aus, auch wenn die Gästezahlen immerhin im August im Vergleich zu den Vormonaten weiter zulegen konnten.“

Aber Otremba warnt auch: „Aktuelle Analysen zeigen aber bereits, dass sich dieser positive Trend leider nicht fortschreiben lässt. Das Institut Tourism Economics kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Erholung der Tourismuswirtschaft als langwieriger und komplizierter darstellen wird als bisher angenommen.“

Lockdown hat viele Betriebe sehr hart getroffen

Unterdessen wurde am Donnerstag der erste digitale Tourismustag Schleswig-Holstein veranstaltet, an dem rund 430 Branchenvertreter teilgenommen haben. Schleswig-Holstein als Tourismusland sei zwar besser als viele andere Bundesländer durch die Krise gekommen, dennoch habe der zu Beginn der Krise notwendige Lockdown und die jetzt noch geltenden Maßnahmen eine Menge Betriebe sehr hart getroffen“, sagte Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP).

Auf dem Tourismustag wurde auch eine repräsentative gemeinsame Studie vom Deutschen Institut für Tourismusforschung (DITF) der Fachhochschule Westküste und des Instituts für Tourismus und Bäderforschung in Nordeuropa (NIT) zum Thema Tourismusakzeptanz 2019/2020 in Schleswig-Holstein vorgestellt. Es wurden in dem Bundesland 400 Personen befragt. „Unsere Studie zeigt, dass die deutliche Mehrheit der Bevölkerung in Schleswig-Holstein mehr positive als negative Auswirkungen des Tourismus sieht. Die Akzeptanz für den Tourismus in den Wohnorten ist hoch. Das heißt, von Overtourism kann in Schleswig-Holstein flächendeckend keine Rede sein“, sagte Professor Dirk Schmücker vom DITF dem Abendblatt.

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Die Akzeptanz für Tourismus ähnlich hoch wie 2019

Die Akzeptanz für den Tourismus sei 2020 ähnlich hoch wie 2019. Der ganz leichte Rückgang dürfte bei der Befragung der 400 Personen im Juli daran liegen, dass durch Corona eine gewisse Skepsis bestand, wie das Reiseaufkommen in Zeiten der Pandemie sich auf die touristischen Hotspots in Schleswig-Holstein auswirke, so Schmücker weiter.

Das sind in Auszügen die Ergebnisse: Auf die Frage, wie sich der Tourismus auf den Wohnort auswirke, antworteten 17 Prozent „Überwiegend positiv“, im Vergleich zum Vorjahr waren das acht Prozent weniger. 34 Prozent der Teilnehmer antworteten mit „Eher positiv“, und das waren zwei Prozent weniger als 2019. „Neutral“ sehen das 40 Prozent der 400 Teilnehmer der Studie, im Vorjahr lag der Wert bei 29 Prozent. Mit „Überwiegend negativ“ antworteten nur zwei Prozent der Befragten, wie schon 2019.

Studie untersucht positive Auswirkungen

Außerdem sollten die Befragten, die persönlichen Auswirkungen des Tourismus bezogen auf Schleswig-Holstein bewerten. Insgesamt elf Prozent antworten mit „Überwiegend positiv“, und damit lag der Wert bei minus sechs Prozent gegenüber 2019. 18 Prozent sagten „Eher positiv“, und das waren zwei Prozent weniger als im Vorjahr. Mit „Überwiegend negativ“ antworteten wie im Vorjahr drei Prozent.

Die Studie widmete sich auch der Frage, welche positiven Effekte der Tourismus in Schleswig-Holstein mit sich bringt: Auf Platz 1 landete mit 62 Prozent die Aussage, „fördert die lokale Wirtschaft“. Mit 56 Prozent auf Platz 2 kam die Aussage, „sorgt für ein positiveres Image unseres Ortes“. Dass der Tourismus „attraktive Arbeitsplätze für die einheimische Bevölkerung schafft“, unterstützen 41 Prozent der Befragten. Einen Wert von 38 Prozent erreichte die Aussage, dass es „ein vielfältigeres Angebot an Restaurants und Cafés gibt“.

Touristen sorgen für Verkehrsprobleme

Der Tourismus bringt viele Vorteile, aber auch Nachteile. Im Zuge der Studie wurde nach den negativen Effekten des Tourismus in Schleswig-Holstein gefragt. Dass dadurch die „Verkehrsprobleme im Ort“ vergrößert werden, beantworteten 44 Prozent der Befragten mit Ja. 34 Prozent der Teilnehmer unterstützen die Aussage, dass es zum Beispiel beim Einkaufen oder im Restaurant zu voll im Ort sei.

Dass „oft zu viele Touristen zur selben Zeit am selben Ort sind“, finden 31 Prozent der Befragten. Auch die Tourimusakzeptanz in Hamburg untersucht Professor Schmücker. Die Ergebnisse sollen Anfang 2021 vorliegen.