RELLINGEN - Trotz ihrer Krankheit hat Lydia Schulgina bis zu ihrem Tod gearbeit. Jetzt ist im Rellinger Rathaus eine Retrospektive mit ihren Werken zu sehen.

Schulginas Vermächtnis

Kuno Klein

Rellingen

Vor gut einem Jahr ist die Künstlerin Lydia Schulgina gestorben. Aus diesem Anlass ist noch bis zum 21. Februar im Rellinger Rathaus eine Ausstellung mit ihren Werken zu sehen. Die Exponate reichen von ihren frühen Illustrationen für Bücher bis hin zu ihrem letzten Zyklus "Stimmen", den sie in ihrem Todesjahr schuf. Die Schau gibt so einen Überblick über das Lebenswerk der gebürtigen Moskauerin.

Ihr Lebenspartner, der Künstler Nikolai Estis, sagt über die jüngste Serie: "Der letzte Zyklus von Reliefs - "Stimmen" - scheint mir ein gebührendes Requiem zu sein, das vom Talent der Künstlerin einem unerschrockenen Leben, der Kunst, der Liebe und der Güte zu Ehren geschaffen wurde." Wie ihre Reliefs hat Lydia Schulgina auch Skulpturen aus Zeitungspapier gemacht. Sie selbst sagte einst dazu: "Meine Technik, Zeitungspapier und Farbe, lässt mich wie keine andere die Vergänglichkeit des Lebens und die Widerspiegelung der Vergangenheit in der Gegenwart darstellen, die Themen, die mich am meisten interessieren. Die Figuren, die im offensichtlichen Bezug auf die Bibel aber aus frischesten Zeitungen gemacht worden sind, bilden eine Brücke zwischen den Zeiten."

Religiöse Themen finden sich aber nicht nur in ihren Skulpturen wieder, sondern auch in ihrer Malerei und in den Zeichnungen. Diese enge Verknüpfung zwischen Kunst und Glauben mag es auch gewesen sein, die sie bis zuletzt neue Werke schaffen ließ. Die Kunsthistorikerin Ninel Ziterova aus Talin sagte dazu während der Ausstellungseröffnung: "Lydia Schulgina hat sich in ihrer Arbeit maximal geäußert."

72 Arbeiten der Künstlerin sind in der Rellinger Rathausgalerie während der Öffnungszeiten der Verwaltung zu besichtigen. Sie sind eher geprägt durch klassische Vorbilder wie das Tafelbild als durch die moderne Kunst. Ergänzt werden sie durch Fotografien von Marietta Hagedorn und Kathrin Wahrendorf, die Lydia Schulgina unter anderem bei der Arbeit und von ihrer Krankheit gezeichnet zeigen.

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