VEREINSWECHSEL - Die 21-jährige Leistungsträgerin des Basketball-Bundesliga-Clubs SC Rist zieht es zum Rivalen BC Marburg.

Hanna Green geht

Heiko Gerdau

Wedel

Mit ungläubigem Staunen reagierte man im Umfeld des SC Rist auf die Nachricht. Vereinzelte Gerüchte, die derzeit verletzte Flügelspielerin wolle die Mannschaft verlassen, nahm in den vergangenen beiden Wochen kaum jemand ernst.

Seit gestern hat es der SC Rist schriftlich: Green beantragte die Auflösung ihres Vertrages und die sofortige Freigabe. Das Puzzle wurde vollständig, als der Manager des BC Marburg, Uwe Scheidemann, um die Freigabe für einen Vereinswechsel bat.

Der Rist-Vorsitzende Siegmar Kuntze zeigte sich enttäuscht: "Dass Hanna gegen uns spielt, kann ich weder zulassen noch akzeptieren. Besonders, weil sie mir andere Gründe für die Vertragsauflösung genannt hat." Druckmittel hat der Vorsitzende. Denn erst wenn die Bedingungen der Vertragsauflösung verhandelt worden sind, muss der SC Rist die Freigabe erteilen. Am 1. Februar jedoch verstreicht die Wechselfrist.

Zwei Gründe nannte Green laut Kuntze für ihren Weggang mitten in der Saison: "Sie könne Studium und Job mit dem Basketball nicht mehr vereinbaren, aber vor allem habe sie seit langem ein gestörtes Verhältnis zu Trainer Marc Köpp." Der Coach fiel aus allen Wolken: "Mein Verhältnis zu Hanna war sicher nicht das beste, aber diese heftige Reaktion hat mich doch überrascht."

Hanna Green reagierte ebenfalls verwundert: "Wer mich kennt, der weiß, dass ich schon seit langem darüber nachdenke, aufzuhören. Was mich gehalten hat, ist meine enge innere Bindung an den SC Rist." Vor allem eines möchte Green klar stellen: "Als ich meine Entscheidung getroffen habe, hatte ich noch keinerlei Kontakt zu Marburg. Ich weiß, dass es Leute geben wird, die das anders darstellen werden. Aber ich habe keinen Vorwand zum Wechseln gesucht. Es ist einfach ein Fass übergelaufen, so dass ich nicht mehr unter Marc Köpp spielen möchte."

Zu den Meinungsverschiedenheiten schweigen sowohl Hanna Green als auch Trainer Marc Köpp. Gerüchten zufolge haben sich die beiden über die Frage entzweit, wie weit der Trainer zum Wohle der Bundesligamannschaft Einfluss auf das Privatleben nehmen darf.

Am Ende klingen aber auch versöhnliche Töne an. Köpp: "Ich wäre nicht sehr glücklich, wenn Hanna nun gegen den SC Rist spielt. Trotz allem wünsche ich ihr alles Gute."

Green betont: "Das alles fällt mir nicht leicht. Es ist auch noch gar nicht klar, ob ich nicht erst zur nächsten Saison nach Marburg wechsle." Auch die zweite Marburger Mannschaft in der Regionalliga ist als Zwischenlösung im Gespräch.

Für den SC Rist ist der Weggang in jedem Fall ein unersetzlicher Verlust. Im August 1990 begann Green eine märchenhafte Karriere im Wedeler Basketballclub. Viermal gewann sie in der Jugend den deutschen Meistertitel (zweimal unter Marc Köpp). Einmal wurde sie mit der Hamburger Auswahl deutscher Verbandsmeister.

Seit 1996 wird die 21-Jährige von Marc Köpp trainiert, stieg in dieser Zeit von der Regionalliga bis in die Erste Bundesliga auf. In diesem Jahr wurde sie sogar in den erweiterten Kader der Damen-Nationalmannschaft berufen.

Viel Zeit bleibt den Rist-Damen nicht, die Hiobsbotschaft zu verdauen. Morgen um 19 Uhr treten sie beim ungeschlagenen Tabellenführer und achtfachen "Serienmeister" BTV Wuppertal an. Auch ohne die jüngsten Turbulenzen wäre alles andere als eine Niederlage eine Überraschung, obwohl die knappe Niederlage im Hinspiel nach Verlängerung zu den bislang stärksten Saisonleistungen der Wedeler Basketballdamen gehörte.

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