Gewerkschaft fordert besseres Angebot von Arbeitgebern

Metaller im Warnstreik

Hamburg - Die Fronten sind verhärtet: Unmittelbar nach Ablauf der Friedenspflicht in der westdeutschen Metall- und Elektroindustrie haben rund 1000 Metaller am Freitag zeitweise die Arbeit niedergelegt. Zu den Warnstreiks hatte die Industriegewerkschaft (IG) Metall in sechs Betrieben in Bayern und in Rheinland-Pfalz aufgerufen. In Niedersachsen soll erstmals am Dienstag nach Ostern in zwei Betrieben die Arbeit vorübergehend stillstehen.

In den vorherigen Tagen hatte es bereits Warnstreiks in der ostdeutschen Metallindustrie gegeben, weil dort die Friedenspflicht nicht gilt. Von der zweiten April-Woche an plant die IG Metall flächendeckende Warnstreiks, falls es keine Bewegung gibt. Die norddeutschen Arbeitgeber verurteilten die Arbeitsniederlegungen dagegen als unverantwortlich. "Streiks und Aussperrungen gehören nicht in eine moderne Volkswirtschaft, Arbeitskämpfe sollten der Vergangenheit angehören", sagte der Nordmetall-Chef, Thomas Klischan. Wichtiger sei es, eine tragbare Lösung am Verhandlungstisch zu finden.

Doch die Vorstellungen liegen noch weit auseinander: Die IG Metall fordert für die 3,6 Millionen Beschäftigten der Branche 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Die Arbeitgeber haben bisher jeweils zwei Prozent für die Jahre 2002 und 2003 angeboten.

Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder schaltete sich jetzt in den Tarifstreit ein. Er ermahnte die Tarifparteien zu einer raschen Einigung am Verhandlungstisch und forderte die Gewerkschaft zur Mäßigung auf. Schröder warnte im Nachrichtenmagazin "Spiegel" mit Nachdruck vor einem "Abschluss, der das Pflänzchen Aufschwung zertrampeln könnte". Er forderte eine Einigung möglichst ohne Streiks. Das gebiete "die gesamtwirtschaftliche Vernunft".

Der IG-Metall-Vize Jürgen Peters verlangte von den Arbeitgebern unterdessen erneut ein besseres Angebot. Doch der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, lehnte dies ab. Er verteidigte die gebotenen zwei Prozent als Obergrenze für viele Betriebe. Schon eine Drei vor dem Komma sei für die Branche äußerst gefährlich: "Meine Hoffnung ist, dass man einen Abschluss ohne Streik hinbekommt." (dpa/bk)