VERKEHRSADER Ulzburger Straße hat als Bundesstraße ausgedient.

Norderstedt: B 433 wird wieder zur "Dorfstraße"

Frank Knittermeier

Norderstedt/Henstedt-Ulzburg

Sie ist mehr als eine Straße: Sie ist die Lebensader Norderstedts, Henstedt-Ulzburgs und Kaltenkirchens. Und sie ist in allen Orten das große Ärgernis: Die täglichen Staus frustrieren die Autofahrer. Lärm und Abgase beeinträchtigen die Anlieger. Sie ist eine wichtige Durchgangsstraße, aber vor einigen Tagen hat sie - rein behördlich gesehen - ihre Wichtigkeit verloren: Die B 433 ist keine Bundesstraße mehr. Sie wurde degradiert - in Norderstedt zur einfachen Gemeindestraße, in Henstedt-Ulzburg und Kaltenkirchen zur Landesstraße.

Hildegard Waack aus Norderstedt saß in ihrer Kinderzeit oft im Straßengraben und hat die Autos auf der Ulzburger Straße gezählt. Damals war die viel befahrene Straße noch ein Sandweg, nach dem Ausbau wurde daraus eine viel befahrene Straße, die sich durch Norderstedt zieht.

Für Norderstedt und seine Ursprungsgemeinden hatte die Ulzburger Straße immer eine besondere Bedeutung: Sie trennte etwa von 1400 die frühere Herrschaft Pinneberg mit den Gemeinden Garstedt und Friedrichsgabe im Westen und das Gut Tangstedt mit den Gemeinden Harksheide und Glashütte im Osten. 1868 kam es mit dem preußischen Verwaltungssystem auch zur Gründung der Landkreise. Ein Grenzstein ist noch am Steindamm/Ecke Ulzburger Straße zu sehen. Vom 15. bis 18. Jahrhundert wurden über die Ulzburger Straße Ochsen getrieben. Als Nebenweg des Hauptochsenweges, der über Barmstedt nach Wedel führte, hatte er seine Bedeutung: Über die Zollstelle im Winkel der Ulzburger Straße/Ohechaussee gelangten die Tiere zur Hamburger Fähre Zollenspieker.

Die Straße trennte und vereinte die vier Gemeinden, aber die Gemeindepolitiker von einst dachten überhaupt nicht daran, die Verkehrsprobleme untereinander abzusprechen. Es kann heute noch beobachtet werden, wie die Verkehrswege der einzelnen Gemeinden an dieser Straße enden. Nach Gründung der Bundesrepublik wurde aus der Ulzburger Straße die Bundesstraße 433. Eine Reichsstraße indessen ist sie nie gewesen. Aber schon 1919 wurde die strategische Wichtigkeit der Straße erkannt: Hamburgs Oberbaudirektor Fritz Schumacher stellte seinen "Achsenplan zur natürlichen Entwicklung des Organismus Hamburg" vor. Der Plan sah eine Siedlungspolitik auf städtebaulichen Achsen vor. Eine dieser Achsen war die Ulzburger Straße.

Aus der B 433 wurde die Landesstraße 326

Als Norderstedt 1970 gegründet wurde, lag die Ulzburger Straße mittendrin - mit allen Vor- und vor allem Nachteilen, die am Knoten Ochsenzoll beginnen und sich bis zum Ortsausgang hinziehen. In den 30 Jahren seit Stadtgründung ist die einstige historische Nord-Süd-Achse Holsteins, auf der der dänische König 1777 die "Holsteinische fahrende Post" einrichtete, zur längsten Einkaufsmeile Norderstedts geworden. Den Charakter einer Bundesstraße hatte die Ulzburger Straße aber schon lange nicht mehr. Die Baulastkosten musste Norderstedt ohnehin tragen. Deshalb entschied das Straßenbauamt Itzehoe sich zu einer Rückstufung: Aus der Bundesstraße ist in Norderstedt eine Gemeindestraße geworden. Vom Autobahnzubringer Henstedt-Ulzburg bis zur Einmündung Schleswig-Holstein-Straße in Norderstedt wurde aus der B 433 die Landesstraße 326. Der Autobahnzubringer selbst ist jetzt ebenfalls die Landesstraße 326. Vom Autobahnanschluss in Richtung Norden, durch Kaltenkirchen hindurch bis Lentföhrden, wurde aus der Bundesstraße die Landesstraße 320. In Kaltenkirchen kommt das Land noch für Straßenbaukosten auf, da die Stadt weniger als 20 000 Einwohner hat. Henstedt-Ulzburg muss die Straßenbaukosten selbst zahlen.

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.