Das Prinzip Unordnung

Aus der Garage ins Studio: TigerBeat veröffentlicht das Debütalbum "No. 1"

Garagen - im musikalischen Sinne - gibt es auch in Hamburg. TigerBeat mit International Frehn (Gesang, Gitarre), The Rev D (Gitarre, Bass Keyboards) und Angry S.E. (Schlagzeug) hat ihre verlassen und sich in diverse Studios aufgemacht, um nach zwei Singles das erste Album aufzunehmen. Bühnenerfahrung hat das Trio aus Hamburg in den vergangenen fünf Jahren schon reichlich gesammelt: im Vorprogramm von The (International) Noise Conspiracy und The Royal Trux und im Jahr 2000 auch beim riesigen SXSW-Festival in Austin/Texas. Obwohl dort etwa 1000 Bands auftraten, wird von TigerBeat behauptet, dass sie mit Abstand die lauteste Band gewesen sei.

Nun ist also "No. 1" (Exile On Mainstream Records/Efa) erschienen - ein ungeschliffener Diamant. An Reinheit, Glanz und Glamour hat TigerBeat jedoch niemals Interesse gehabt. Verzerrungen, Rückkoppelungen, Unsauberkeiten gehören zum Programm wie es sich für eine ordentlich-unordentliche Garagenrockband gehört.

Was die Jungs zu sagen haben, können sie meistens in zweieinhalb Minuten ausdrücken, so wie die Punkbands in den 70er-Jahren und noch früher MC 5 mit ihrem Kopf Fred "Sonic" Smith. TigerBeat versteht eine Menge vom Blues, und wie er heute zu klingen hat, die Gruppe kennt jedes abgedroschene Gitarrenriff. Doch wenn sie sich in der Rockgeschichte bedient, hat das nichts mit Retro zu tun, sondern ist der Wille, die rebellische Kraft des Rock auferstehen zu lassen, mit gängigen Hörgewohnheiten zu brechen und dem Mainstream-Hörer was hinter die Löffel zu geben. Dann steht sie plötzlich in einer Phalanx mit den Noiserock-Bands aus New York wie der Jon Spencer Blues Explosion.

"No. 1" hat ein Höllentempo, gerade Beats und läuft kurzweilige 35 Minuten. Und manchmal klingt Sänger Frehn, als trüge er nicht den Beinamen "International", sondern würde Frehn "Sonic" Hawel heißen.

HEINRICH OEHMSEN

TigerBeat: No. 1 Exile On Mainstream Records/Efa; Internet: www.tigerbeat.de

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