VERKEHR - Die Betroffenen wollen die jetzige Lösung behalten. Beifall für Mettbach.

Grindelhof: Senator beruhigt Anwohner

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Per Hinrichs

Bausenator Mario Mettbach sagte am Ende der Sitzung die erlösenden Worte: "Der Grindelhof wird nicht einfach zurückgebaut, das wäre zu fantasielos." Die etwa 100 Besucher der öffentlichen Sitzung des Eimsbütteler Kerngebietsauschusses klatschten zaghaft Beifall - fürs Erste scheint die Wiedereinführung der Zweispurigkeit auch in der Baubehörde kein Thema zu sein. Gleichwohl kündigte Mettbach an, "Diskussionen über intelligente Lösungen für den Grindelhof" führen zu wollen und den Koalitionsvertrag umzusetzen.

Lebhaft und leidenschaftlich ging es gestern Abend auf der Sitzung im 12. Stockwerk des Bezirksamts Eimsbüttel zu. Die Ankündigung der Baubehörde, die Koalitionsvereinbarung zur Öffnung des Grindelhofs durchzusetzen, rief die Bezirkspolitiker auf den Plan: Experten von ADAC, Handelskammer, Einzelhandel, Fahrradclub, Vertreter der Universität und Anwohnerinitiativen sowie der Polizei sollten ihr Votum abgeben, um ein Meinungsbild aller Betroffenen zu bekommen.

Einen schweren Stand hatte Ulf Kalkmann, der sich im Namen der Einzelhändler des Grindelhofs für eine Befahrbarkeit der Straße in beide Richtungen aussprach. "Ich bin auch gegen den Durchgangsverkehr. Wir müssen aber eine Lösung finden, die es den Autofahrern ermöglicht, in beide Richtungen wieder herauszufahren, und den Durchgangsverkehr trotzdem verhindern." Wie eine Lösung zu verwirklichen wäre, konnte Kalkmann nicht sagen.

Die Zuhörer, fast alle Anwohner des Grindelhofs, wandten sich gegen die These des Einzelhandels, die Verkehrsberuhigung habe Geschäfte zu Grunde gerichtet. "Die Entwicklung im Einzelhandel verläuft bundesweit schwierig. Und die Probleme haben nur teilweise mit dem Verkehr zu tun", sagte der Anwohner und Unternehmensberater Eginhardt Lisewsky. Werner Grassmann, Besitzer des Abaton-Kinos, forderte genauere Angaben über die Zahl der Gewerbetreibenden am Grindelhof: "Mich hat nie jemand gefragt."

Arno Reglitzky, Vorstandsmitglied des ADAC Hansa, sprach sich erneut gegen eine Öffnung aus, kritisierte aber die Parksituation im Viertel: "Wir brauchen dort eine Quartiersgarage und mehr Parkplätze. Und wir fordern den Bau der U-Bahnstation Johnsallee." Reglitzky bezifferte die Kosten für eine solche Station auf bis zu 30 Millionen Euro.

Er wies auch darauf hin, dass die Hallerstraße und die Rothenbaumchaussee jetzt mehr Verkehr zu ertragen hätten. "Es fehlt ein Gesamtkonzept für den Nord-Süd-Verkehr."

Die Zuhörer verließen die Sitzung skeptisch. Sie haben vorgebaut: Die "Anwohnerinitiative Univiertel" hat jetzt ein Bürgerbegehren gestartet, um gegen den Wiederausbau zu kämpfen. Eine Anwohnerin: "Die Verkehrsberuhigung ist das Ergebnis eines langen demokratischen Prozesses. Warum soll der jetzt wieder rückgängig gemacht werden?"

Die "Anwohnerinitiative Univiertel" hat ein Bürgerbegehren gestartet, um gegen den Wiederausbau zu kämpfen.

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