"HÖHERE GEWALT"- das soll Passagiere abwimmeln. Die aber haben Rechte.

Bei Flugverspätung Regress fordern

Dominik Peter

Frankfurt/Main

Genervt drängen sich die Passagiere an den Abflugschaltern des Frankfurter Flugha-fens. Ihre Flüge wurden wegen starken Schneefalls verschoben. Zur kalten Jahreszeit häufen sich Flugverspätungen aufgrund höherer Gewalt. Das kann neben ungünstigen Wetterverhältnissen auch Luftraumüberfüllung oder ein Fluglotsen-Streik sein.

Im Falle von Verspätungen aufgrund höherer Gewalt lehnen die Fluggesellschaften eine Entschädigung ihrer Kunden gern kategorisch ab. Doch juristisch gesehen ist der Linienflug ein Fixgeschäft, bei dem es sehr wohl auf die Einhaltung von Terminen ankommt. So müssen innerdeutsch lediglich Verspätungen bis zu einer halben Stunde toleriert werden. Überschreitet die Verzögerung diese Grenze, hat der Passagier einen Anspruch auf Minderung des Reisepreises.

Der Anspruch besteht unabhängig vom Verschulden der Airline. Also auch dann, wenn der Flug wegen Streiks oder Unwetters verspätet war. Allerdings lassen sich die Passagiere meist mit dem unzutreffenden Verweis auf höhere Gewalt ins Bockshorn jagen. Nur die wenigsten kennen die Möglichkeit, den Reisepreis im Verspätungsfall zu mindern, berichten Verbraucherschützer.

Bei internationalen Flügen ist die Rechtslage übrigens anders: Hier gilt das Warschauer Abkommen, das Entschädigungen nur bei Verschulden der Airline vorsieht und die Zahlung auch noch auf höchstens 53 000 Mark begrenzt - selbst wenn dem Passagier womöglich ein Millionengeschäft ins Wasser fällt. Falls ein Flug annulliert wird, kommt der Schuldfrage auch bei innerdeutschen Flügen grundlegende Bedeutung zu. Ist die Fluggesellschaft für den Ausfall verantwortlich, etwa bei technischen Mängeln oder Streik ihrer Angestellten, hat der Passagier einen Anspruch auf Schadenersatz. Ist dagegen die viel zitierte höhere Gewalt der Grund für eine Annullierung, besteht allenfalls ein Anspruch auf Rückerstattung des gezahlten Flugpreises - immerhin ohne Abzug einer Bearbeitungsgebühr.

Auch Pauschalurlauber haben Rechte gegenüber ihrem Veranstalter, wenn der Abflug länger als geplant auf sich warten lässt. Dabei spielt es keine Rolle, ob es um eine Linien- oder eine Ferienfluggesellschaft geht.

Als Maßstab für die Höhe der Entschädigung dient die "Frankfurter Tabelle". Demnach müssen bei Pauschalreisen Verspätungen bis zu vier Stunden hingenommen werden. Für jede zusätzliche Stunde werden fünf Prozent des anteiligen Tagespreises der Reise als Entschädigung veranschlagt. Wer auf einem Kurztrip übers Wochenende viele Stunden mit außerplanmäßigem Warten verbringt, kann eine höhere Entschädigung fordern.

Auch Bahnreisende kommen bei Verspätungen in den Genuss einer Ausgleichszahlung. Kann die Reise wegen Ausfall oder Verspätung nicht am selben Tag fortgesetzt werden, bietet die Deutsche Bahn ihren Kunden einen Taxigutschein oder eine Hotelübernachtung an. Was die meisten nicht wissen: Auch bei weniger gravierenden Verzögerungen zeigt sich die Bahn mittlerweile kulant. So werden im Fernverkehr Verspätungen ab 90 Minuten mit einem Gutschein über 50 Mark entschädigt. Zudem gibt es bereits eine Gutschrift für den nächsten ICE-Zuschlag, wenn sich ein ICE um mehr als 30 Minuten verspätet. (srt)

Weitere Informationen: Bundesverband der Verbraucherzentralen, Markgrafenstraße 66 in 10969 Berlin, Telefon 030/25 80 0 -0, Fax -518, Internet: www.bvzv.de, E-Mail: info@vzbv.de. Hier gibt es die Adressen der nächstgelegenen Verbraucherzentrale. Die "Frankfurter Tabelle" ist im Internet bei www.finanztip.de unter der Rubrik "Ratgeber Reiserecht" zu finden.

Pauschalreisen: Entschädigung ab Wartezeit von über vier Stunden.