Der Gruß der Friesen breitet sich selbst im Süden aus

Moin, Moin . . .

Heiner Schmidt

Hamburg

Der Norddeutsche gilt, zumal wenn er auf dem platten Land lebt, als eher wortkarg. Bei Gelegenheiten, zu denen andernorts langatmige Begrüßungsformeln wie "Guten Tag" oder gar "Grüß Gott" gesprochen werden, bescheiden Marschenbewohner sich mit einem einsilbigen "Moin". Da und dort zwischen Flensburg und Ostfriesland ist die Doppelvariante "Moin, Moin" geläufig. Wer sie im Munde führt, steht aber unter dem Anfangsverdacht der Geschwätzigkeit.

Praktischerweise ist "Moin" zu jeder Tageszeit einsetzbar. Ein Universalgruß. Da erübrigt sich jedes Abwägen von nicht seriös zu beantwortenden Fragen wie der, von welcher Uhrzeit an von "Guten Morgen" zu "Guten Tag" oder "Mahlzeit" übergegangen werden sollte. Womöglich hat dieser praktische Aspekt dazu beigetragen, dass "Moin" mittlerweile weit über die Grenzen des niederdeutschen Sprachraums hinaus Verbreitung gefunden und zugleich eine Art sozialen Aufstieg genommen hat. Das Wort werde überall in der Republik verstanden, gelte bei Jugendlichen in Teilen Süddeutschlands als cool, Spitzenkräfte der Gesellschaft hätten es in den aktiven Wortschatz aufgenommen, sagen Sprachforscher.

Vielleicht haben die Top-Kräfte und Nicht-Norddeutschen sich ja auch ein Beispiel an Werner genommen. Die kultige Comic-Figur aus Kiel krakeelt den Einsilber in seinen millionenfach gelesenen Büchern gern und oft.

Wie auch immer: "Moin" und "Moin, Moin" stehen kurz davor, geadelt zu werden. Die Redaktion des Duden prüft wohlwollend die Aufnahme ins Wörterbuch, rätselt aber noch über die korrekte Schreibweise.

Rätselhaft bleibt einstweilen auch der Ursprung. Eine Theorie besagt, "Moin" stamme vom plattdeutsch-friesischen "moje". Das bedeutet gut oder auch schön. Na denn - "Schön, schön".

"Moin ist die genialste Wortschöpfung aller Zeiten." Björn Engholm

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