TRANSFERÄRGER - Sandmann wechselt nicht, Rahn-Deal droht an Ablöse zu scheitern. Kritik an beiden Clubführungen.

Neuer Streit zwischen HSV und St. Pauli

Christian Pletz

Hamburg

Ginge es nicht um ihre Clubs und ihre Millionen, so würden die Vereinsbosse Werner Hackmann und Reenald Koch wohl herzhaft lachen. Das Transfergeschäft um Christian Rahn, der in der Winterpause vom FC St. Pauli zum HSV wechseln sollte, nimmt immer groteskere Züge an. Nun droht der Deal erneut zu platzen - und zwischen den beiden Hamburger Clubs ist ein neuer Streit entbrannt. Die Kernfrage der Auseinandersetzung lautet: Wer will hier eigentlich was?

Hackmann und Koch hatten vor Weihnachten vereinbart, dass St. Pauli Rahn, der im Sommer sicher zum HSV geht, nach dem Jahreswechsel sofort transferieren und dafür 500 000 Mark Ablöse plus Jan Sandmann erhalten würde. So weit, so schlecht. Denn der lange Zeit verletzte Sandmann ging zu diesem Zeitpunkt davon aus, dass er nach der Winterpause einen neuen Anlauf im HSV-Team starten könnte.

St. Paulis Beschreibung, der HSV habe Sandmann zusätzlich zur Ablöse geboten, widerspricht Hackmann energisch. "Es war eindeutig ein Wunsch St. Paulis, Sandmann zu holen. Nun wird es so dargestellt, als ob wir ihn loswerden wollten."

Sandmann fühlte sich verschachert, wie ein Stück Ware. "Das Schlimmste ist, dass vom HSV bisher niemand mit mir gesprochen hat. Man kann ja über alles vernünftig reden. Ich bin bisher immer fair mit dem Verein umgegangen, aber jetzt fühle ich mich wie das Anhängsel eines Transfers", sagte der Magdeburger. Diese Art Koppelgeschäft gefiel auch St. Paulis Trainer Dietmar Demuth nicht. "Man sollte die Personalien immer einzeln betrachten, den Fall Rahn und den Fall Sandmann", sagte er.

Folge: Koch meldete sich bei Hackmann und erkundigte sich nach einem möglichen neuen Angebot für Rahn (ohne Anhängsel Sandmann). "Das ist doch ziemlich eigenartig", wunderte sich HSV-Sportchef Holger Hieronymus, "vor allem verstehe ich nicht, warum sich St. Pauli dann überhaupt noch mit dem Jungen trifft, wenn man uns vorher schon sagt, dass man ihn gar nicht mehr haben will."

Laut Sandmann war das Treffen mit St. Paulis Manager Stephan Beutel und Demuth trotzdem positiv: "Sicherlich hätte es dem HSV ins Konzept gepasst, wenn ich gewechselt wäre, aber meine eigene kleine Partei spielt bei diesem Geschäft ja auch eine Rolle. Wir konnten uns nicht einigen. Es ist nicht so, dass ich irgendjemandem einen Strich durch die Rechnung machen wollte, sondern es geht um meine Perspektive. Und ich habe mich nach diesem Gespräch entschieden, im nächsten halben Jahr meine Chance beim HSV zu suchen."

Sandmann wird es schwer haben. Ähnlich wie der HSV, Christian Rahn vor der Sommerpause zu holen. St. Pauli fordert nun knapp eine Million Mark Ablöse, Hackmann will heute mit Koch telefonieren. "Er kennt unsere Konditionen", sagt der HSV-Boss und klingt nicht gerade amüsiert von dem neuen Trubel.