Seeburg - eine Familie verkauft ihre Geschichte

DENKMAL Das Kontorhaus an der Spitalerstraße gehört jetzt dem Berolina-Pensionsfonds.

Susanne von Bargen

Sie steht direkt am Eingang einer der Haupteinkaufsmeilen Hamburg, an der Spitze von Spitalerstraße und Lilienstraße: die Seeburg. Nahezu jeder Hamburger kennt das altehrwürdige, markante Kontorhaus mit dem Tabakgeschäft im Erdgeschoß. Jetzt hat das Gebäude seinen Besitzer gewechselt.

Und nicht nur das: Mit dem Verkauf der Seeburg geht an dieser Stelle der Hansestadt auch ein langes Stück Familiengeschichte zu Ende.

Die Seeburg ist aus den Händen der miteinander verwandten Familien Seeburg und Hosie in die des Berolina-Pensionsfonds übergegangen. Der Kaufpreis soll nach Abendblatt-Informationen 66 Millionen Mark betragen haben. Der Pensionsfonds versorgt die Mitarbeiter von Unilever Deutschland. Das historische Gebäude soll künftig weiter als Kontorhaus betrieben werden. Derzeit stehen allerdings Räume leer, weil einer der Hauptmieter, das Unternehmen Bacardi, in einen Neubau nach Alsterdorf gezogen ist.

Die Seeburg an der Spitalerstraße 16 ist 1908 vom Architekten Franz Bach erbaut worden. Auftraggeber und Bauherr war der Kaufmann Max Seeburg. Bach hatte bereits 1905 begonnen, im damaligen Sanierungsgebiet Altstadt Nord Geschäftshäuser zu errichten. Das Semperhaus gehört dazu, der zwischen Spitalerstraße und Mönckebergstraße liegende Barkhof ebenfalls. Die Kontorhäuser in diesem Areal wurden zum größten Zeichen einer neuen Citybildung vor dem Ersten Weltkrieg. Seeburg und Barkhof markieren bis heute den Eingang zum östlichen Teil der Innenstadt.

Bach entwickelte das Kontorhaus mit einer zweigeschossigen Ladenzone, über der dicht nebeneinander stehende Pfeiler vier Kontorhausetagen hoch bis zur Dachzone aufschießen. Portal und Straßenecke des Gebäudes sind reichhaltig mit Ornamenten verziert. Alles, was mit Meer, Fluss und See zu tun hat, findet sich dort wieder.

Die Seeburg ist mit ihren Details derartig gut erhalten, dass die Denkmalschützer sie längst als Kulturdenkmal eingestuft haben. Richtig unter Denkmalschutz gestellt aber haben sie das Haus bis heute nicht. Was wohl auch an der liebevollen Pflege durch Wolfgang Seeburg lag, der jahrelang jedes historische Detail im Auge behielt, wodurch für das baugeschichtlich bedeutende Gebäude keine Gefahr bestand. Wolfgang Seeburg ist der Enkel des Erbauers Max Seeburgs - ihn verband bis zum Verkauf eine besondere Liebe zu dem Gebäude. Aber auch, dass das Kontorhaus überhaupt noch steht und im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört wurde, lag vor allem an einem Mann. "Unser Hausmeister Fischer", sagt Wolfgang Seeburg, "stand 1943 während der schweren Angriffe auf Hamburg auf dem Dach und hat die Brandbomben eigenhändig herausgezogen."

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