Hamburgs Pläne gegen den Stau

TEMPO 60 Weniger Ampeln, grüne Welle - was der neue Verkehrssenator will. Das Abendblatt testete die Hauptstraßen.

Matthias Rebaschus

Veit Ruppersberg

Hamburg

Der neue Hamburger Senat will die Verkehrssituation in der Stadt so schnell wie möglich verbessern. Bau- und Verkehrssenator Mario Mettbach hat deshalb wenige Tage nach der Amtsübernahme einer Gruppe von Experten aus seiner und der Innenbehörde Prüfaufträge erteilt, deren Ziel es ist, den Straßenverkehr flüssiger zu machen. "Wir überprüfen jetzt als Erstes die Ampelschaltungen und die Zahl der Ampeln", sagte Mettbach dem Abendblatt. Danach werde die behördenübergreifende Expertengruppe festlegen, an welchen Kreuzungen ein grüner Abbiegepfeil sinnvoll ist. Außerdem soll schon bald eine Teststrecke auf einer viel befahrenen Straße mit Tempo 60 und grüner Welle eingerichtet werden. "Alles, was Verkehrsschikane ist, muss aufgelöst werden", sagt Michael Freytag, der Vorsitzende der CDU-Bürgerschaftsfraktion.

Das Hamburger Abendblatt hat die Situation auf den vier Hauptverkehrsadern am Donnerstagvormittag getestet - acht Wagen fuhren von den Stadträndern in die City. Das wichtigste Ergebnis: Praktisch niemand hält sich auf den Haupteinfallstraßen an das erlaubte Tempo 50. Damit gibt es heute schon de facto eine Situation, die mit der Ausweisung neuer Tempo-60-Strecken vom Senat umgesetzt werden soll.

Die weiteren Ergebnisse:

Die meisten Ampeln stehen auf der kürzesten Strecke vom Westen in die City: 48 Stück auf 13 Kilometern!

Der Verkehr kann nur in den Hamburger Randbereichen ins Fließen kommen, denn in der Nähe der City wartet spätestens der Stau oder ein Engpass; das geht an der Mundsburg oder an den Elbbrücken los.

Die schlimmste Strecke führt über die B 434 von Norden in die City. Für diese 17 Kilometer brauchten die Testfahrer bis zu 58 Minuten - während man für die 20 beziehungsweise 23 Kilometer aus dem Süden und Osten "nur" zwischen 31 und 35 Minuten braucht.

Wer sich strikt an die Geschwindigkeitsbeschränkungen - also meist Tempo 50 - hält, braucht bis zu 23 Prozent länger, um ans Ziel zu kommen, als derjenige, der sich dem Verkehrsfluss anpasst.

Der ADAC beurteilt den Test als eine "solide Stichprobe". Der Verkehrsexperte des Clubs, Arno Reglitzky, sagt: "Der Test gibt auch unsere Erfahrungen wieder." Besonders auffallend sei das Ergebnis, dass man mit Tempo 60 bis an den City-Rand gut durchkommt. Reglitzky: "Wir fordern, hier Tempo 60 einzuführen und die Zahl der Ampeln zu senken." Außerdem müssten die Ampeln adaptiv geschaltet werden. "Das heißt: Sie passen sich der tatsächlichen Lage - auch bei Stau - an." Die weiteren ADAC-Forderungen: "Das sternförmig organisierte Straßensystem ist nicht mehr verkehrsgerecht. Hamburg braucht daher eine Ringautobahn. Auch der Ring 3 muss ausgebaut werden."

Mettbach sagte dem Abendblatt, er denke bereits über ein elektronisches Messsystem nach, wie es beispielsweise München habe. "Es müssen Sensoren bei den Ampeln eingebaut werden, um eine vom Verkehrsaufkommen abhängige Grünphasen-Steuerung zu erreichen", sagt FDP-Fraktionschef Burkhardt Müller-Sönksen. Auch die Vielzahl von Straßenbaustellen wird geprüft. Mettbach: "Ich weiß nicht, ob das alles vernünftig koordiniert ist." Und: "Manche Radarfallen grenzen fast schon an Abzockerei." Test Seite 12