Kopfarbeit auf Kampnagel

Hamburg - Die Verhältnisse auf dem Balkan, die sind nicht so, dass Deutsche sie ohne weiteres verstehen können. Was zuweilen auch fürs Theater gilt: Der trinationale "Caesar" der Gruppen MKC (Mazedonien), Global Theatre (Slowenien) und Tvornica (Kroatien) beim "Laokoon"-Festival auf Kampnagel war echte Kopfarbeit - in jeder Hinsicht.

Textvorlage ist eine Montage von Teilstücken: Shakespeare in Auszügen, Elemente von Brechts "Dreigroschenoper" und eine Kurzfassung des expressionistischen Stücks "Das Ereignis in der Stadt Goga" des Slowenen Slavko Grum. Eine Folge von drei Teilen, die Kopfzerbrechen bereitet. Zumal sie in drei Sprachen präsentiert wird. Als Hilfe fürs deutschsprachige Publikum gibt es projizierte Übertitel - ein Angebot zu forcierter Kopfgymnastik.

Das fantastische Bühnenbild von Marko Japelj macht die Sache nicht einfacher, denn es fällt schwer, den Text im Auge zu behalten. Perforierte Türen, die in Schienen laufen, werden immer wieder befreit und von den Akteuren als mobile Stellwände ständig neu arrangiert. So entsteht die bedrückende Enge des slowenischen Dorfes Goga, der kein Bewohner entrinnen kann, oder die Säulengänge, in denen die Verschwörung gegen Julius Cäsar vorbereitet wird.

Doch nicht alles in dieser grellen, temporeichen Inszenierung voller derber Späße und Anachronismen fügt sich so gut wie diese Wände. Brezovec zeichnet ein anspielungsreiches Triptychon Nachkriegs-Jugoslawiens, in dem die einzelnen Bilder für die drei beteiligten Länder stehen sollen - das Eingeschlossensein Sloweniens, die mafiose Aufteilung der Macht in Mazedonien, der Cäsarenwahn von Franjo Tudjman in Kroatien. Am Ende aber bleiben ein steifer Hals und viele Fragen offen. (wend)

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