Die Radwege wachsen zu

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VELO-ROUTE 10 Für 2,2 Millionen Mark wird sie in Harburg zurzeit gebaut. Gleichzeitig verschwinden andere Strecken unter Unkraut, weil sie nicht benutzt werden.

Jochen Gipp

Harburg

Statt mit Bahn, Bus oder Auto, sollen Harburger in Zukunft auch per Fahrrad ohne Hindernisse nach Hamburg in die Innenstadt fahren können. Dafür wird derzeit im Auftrag der Baubehörde die "Velo-Route 10" für 2,2 Millionen Mark ab Uni-Harburg angelegt.

Gibt es für die gut 25 Kilometer lange Velo-Route über Wilhelmsburg und Veddel zur Innenstadt einen tatsächlichen Bedarf? Die Frage ist von der Baubehörde nicht gestellt worden. Velo-Routen werden im gesamten Stadtgebiet angelegt. Das Streckennetz soll Hamburger erst anregen, auf das Fahrrad umzusteigen, so Claudia Eggert, Sprecherin der Baubehörde.

Zwei Monate lang wird in Harburg bereits an der Velo-Route gearbeitet. Links und rechts der Hannoverschen Straße wurden zwischen Buxtehuder Straße und Nartenstraße an Stelle alten Asphalts graue Geh- und rote Radwege aus Betonsteinen gepflastert.

Vor der Bürgerschaftswahl soll alles fertig sein, auch der umfangreiche Radwegeumbau an der Kreuzung Hannoversche Straße, Buxtehuder Straße, Moorstraße, wo in diesen Tagen durch Veränderungen an Verkehrsinseln und Fahrspuren der Verkehr massiv behindert wird.

Schachtmeister Roberto Timm (45) von der Wandsbeker Firma Wela-Bau fährt die Baustelle entlang der Hannoverschen Straße an jedem Arbeitstag mehrfach per Fahrrad ab: "Ich bin hier auf der Strecke während der vergangenen zwei Monate der einzige Radfahrer gewesen", sagt er, "andere habe ich nicht gesehen."

Was auf bereits fertiggestellten Velo-Routen im Hamburger Stadtgebiet los ist, kann die Baubehörde, so Claudia Eggert, in tatsächlichen Zahlen nicht belegen. Sie nennt für Untersuchungen auf der Velo-Route 3 (Eimsbüttel) im November 1998 und 1999 allein Steigerungsraten bis 250 Prozent. Wieviel Radfahrer da tatsächlich unterwegs sind, ist offenbar geheime Kommandosache. "Es ist mir nicht möglich, die Basisdaten herauszugeben", so Eggert. So bleibt die Vermutung, dass auch in Eimsbüttel die Zahl der Radfahrer eher gering ist.

Was passiert, wenn Radwege am tatsächlichen Bedarf vorbei gebaut werden, ist nur wenige Pedalumdrehungen von Harburg über die Elbe zu sehen. Auf der Wilhelmsburger Seite, an der Kornweide, wo ein Radwegschild die Benutzung des Radwegs vorschreibt, ist offenbar schon seit Ewigkeiten kein Radfahrer gefahren Selbst wenn jemand dort entlang radeln möchte, wird er Probleme haben: Der schön rot gepflasterte Weg ist von hohem Gras zugewuchert - Rad fahren unmöglich. Ein Teilstück des Wilhelmsburger Radwanderwegs (Route 1), Jenerseitedeich-Kreetsander Hauptdeich entlang des Naturschutzgebiets Rhee ist ebenfalls unbenutzt und zugewachsen.

Eckhard Grimm, Leiter der Tiefbauabteilung im Bezirksamt: "Wir sind zuständig für die Pflege der Radwege. Aber wo Wege nicht benutzt werden, wächst eben schnell das Gras drüber. Und wir können nicht mehr wie früher mit Unkrautbekämpfungsmitteln dagegen halten. Wir probieren jetzt neue mechanische Geräte aus. Das Ergebnis war bislang nicht ausreichend. Den Radweg an der Kornweide müssen wir dringend in Ordnung bringen - wegen der Benutzungspflicht."

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