"Rettet den Ohlsdorfer Friedhof!"

Bezirk Nord beriet B-Plan für Wohngebiet in Klein Borstel - aufgebrachte Anwohner protestierten.

Neue Runde im Streit um die Bebauung von Teilen des Ohlsdorfer Friedhofes: Der Senat will mit dem Plan "Kleine Horst" ein Prestige-Wohngebiet im Grünen aus dem Boden stampfen. Die Anwohner werfen dem Senat vor, mit dem Millionenerlös die Kasse füllen zu wollen.

Während der öffentlichen Sitzung des Stadtplanungsausschusses der Bezirksversammlung Nord protestierten gestern Abend etwa 300 aufgebrachte Bürger und Mitglieder der Bürgerbewegung "Rettet den Ohlsdorfer Friedhof". In der Albert-Schweitzer-Schule in Klein Borstel stellte der Ausschuss den Entwurf des Bebauungsplanes mit dem Wohngebiet "Kleine Horst" vor. Die Bürgervereinigung fasst ihren Protest in vier Punkte:

Das neue Wohngebiet stelle weiter einen Eingriff in den Friedhof dar. Ferner werde es einen gesteigerten Bedarf an Friedhofsfläche für Grabstätten geben.

Es bedeute einen unverträglichen Eingriff in die Sozial- und Verkehrsstruktur von Klein Borstel mit seinen 9000 Einwohnern.

Das Wohngebiet sei mit der Verkehrssicherheit der Albert-Schweitzer-Schule unverträglich.

Die Bebauungsfläche würde den "Grünen Ring" zwischen Alstertal und dem Friedhof zerstückeln.

Die Hintergründe: Der Bezirk Nord will auf dem nicht mehr benötigten Teil des Anzuchtgartens des Friedhofes Häuser für 250 Familien bauen. Das Areal ist elf Hektar groß und eines der wenigen Gebiete in Hamburg, die sich für eine Bebauung mit Einfamilienhäusern und auch "Stadtvillen" eignen. Die Häuser sollen dazu beitragen, "die Stadtflucht zu stoppen".

Die bis zu dreigeschossigen Bauten für "Familien mit Kindern und höherem Einkommen" sollen - nach einem Senatsbeschluss von 1999 - im Dreieck zwischen Friedhof, S-Bahn-Damm und einem bestehenden Wohngebiet im Osten entstehen. Geplant:

Eigentumswohnungen in kleinen Haustypen mit vier bis sechs Wohnungen im Haus,

Haus-in-Haus Lösungen,

"Haustypen, die eine gute Verknüpfung zwischen Wohnung und Garten aufweisen".

Die weiteren Grundlagen des Planes: Es soll auf dem Friedhofsgelände "ein besonderes Flair" geschaffen werden. Dazu wird es "eine versetzte Anordnung platzartig ausgeweiteter Straßenräume" geben. Zur "Steigerung der Aufenthaltsqualität" solle ein "offenes System zur Oberflächenentwässerung in den Straßenräumen" dienen. Die "Schulwegsicherheit" an der Albert-Schweitzer-Schule soll mit "speziellen Vorfahrt-Situationen" gesteigert werden. Auch die 1000 "zusätzlichen Fahrbewegungen" würden sich über zwei Anbindungen "ohne Probleme abwicklen lassen".

Für den Bund für Umwelt und Naturschutz wird "ein kulturhistorisches Erbe ohne Not zerstört". Er bemängelt, dass der Senat "aus dem Verkauf einen Nettoerlös von 23 Millionen Mark erwartet". Die Bürgerinitiative: "Friedhöfe dürfen nicht nur für die Dauer einer Legislaturperiode geplant werden - deshalb verbietet sich ein Eingriff zum Zweck der Haushaltssanierung." reba