Basketball: BCJ Tigers besiegen Braunschweig 96:82

Der Glaube ist zurückgekehrt

rg Hamburg - Peter Schomers erhob sich mit der Schlusssirene und applaudierte stehend von den Rängen. "Gut gemacht, sehr gut", meinte der beurlaubte Trainer der BCJ Tigers. Seine ehemalige Mannschaft (jetzt 13.; 14:34 Punkte) hat mit dem überraschend überzeugenden 96:82 (22:21, 28:18, 17:20, 29:23)-Erfolg über den Tabellensechsten Stadtsport Braunschweig nach sechs Wochen wieder den letzten Platz der Basketball-Bundesliga verlassen. "Sie werden den Klassenerhalt schaffen, davon bin ich nach wie vor fest überzeugt", sagte ein entspannt wirkender Schomers zum Abschied.

Auf dem Parkett wurden unterdessen die Sieger von 1800 Zuschauern lautstark gefeiert. Und Nachfolger Pat Elzie musste immer wieder die Frage beantworten, wie die augenfällige Wandlung innerhalb von nur fünf Tagen möglich wurde. "Schon nach dem ersten Training war mir bewusst, dass ist keine Mannschaft, die absteigt. Dafür steckt zu viel Potential in dem Team. Ich habe viele Einzelgespräche geführt und versucht, den Spielern wieder Selbstvertrauen zu geben. Die Physis stimmte, die Technik auch, nur im Kopf fehlte der Glaube", sagte Elzie. Co-Trainer Professor Dieter Niedlich pflichtete ihm bei: "In der kurzen Zeit kannst du nichts Grundlegendes ändern. Der Trainerwechsel an sich hat bei vielen Spielern offensichtlich Blockaden gelöst. Wir hätten nicht bis in den Mai damit warten dürfen."

Schon der Auftakt gelang. Die Tigers griffen flott an, schneller als zuletzt, deckten hautnah, aggressiver als bisher, trafen gleich zu Anfang, öfter als zuvor, und beendeten die ersten zehn Minuten mit einem Punkt Vorsprung (22:21); eine Rarität in der jüngeren Bundesliga-Geschichte des BCJ.

Selbst als die Hamburger sechseinhalb Minuten vor dem Ende beim 70:70 eine zwischenzeitliche 14-Punkte-Führung (59:45 nach 25:10 Minuten) verworfen hatten, riss die Zuversicht nicht ab. Nur 100 Sekunden später war die kalkweiße Tönung aus dem Gesicht von BCJ-Boss Jens Holtkötter wieder einem gesünderen Hellrot gewichen. Der überragende Fredrick Herzog, dem diesmal 36 Punkte gelangen, davon fünf Dreier, behielt in dieser kritischen Spielphase weiter die Übersicht. Und auch der notorisch schwache Freiwurf-Schütze Marc Suhr verwandelte in diesem Moment seine beiden einzigen Würfe von der Linie. Das nennt man wohl big points. "Zuletzt haben wir diese engen Spiele immer verloren, es ist schön, dass sich das geändert hat", atmete Holtkötter hinterher durch.

Auch wenn die Konkurrenz um den Abstieg weiter punktete, beim Après-Basketball in ihrem Wandsbeker Stammlokal Amtrak genossen die Tigers erst einmal die Stunden nach dem Sieg. Die gute Laune steckte sogar Spielmacher Duane Woodward an. "So locker habe ich ihn noch nie gesehen. Ein wahrer Sonnenschein", meinte Holtkötter. Noch am Vortag musste um seinen Einsatz gebangt werden. Physiotherapeut Peter Brandt vom AK Barmbek massierte aber anderthalb Stunden lang die gezerrte Rückenmuskulatur weich. Woodward dankte es mit 17 Punkten und 13 Vorlagen.

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