Lassen wir uns überraschen

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Gar Unmöglich-Ungeheuerliches drang in diesen Tagen an meine Ohren: In der Nordheidestadt Buchholz, sozusagen mitten im Stadtkern, soll aus einer ziemlich heruntergekommenen Bier-Klitsche (sie musste wegen eines Insolvenzverfahrens ihre ausgetretenen Türen schließen) nunmehr ein sogenanntes Etablissement entstehen, das rein optisch und vordergründig sich als eine Bar präsentiert; in Wirklichkeit soll es aber ein Unternehmen werden, in dem entsprechend Bedürftige so genannten fleischlichen Unterhaltungs- und Entspannungskünsten nachgehen können.

In diesem Zusammenhang ist weiter in der Nordheidestadt hinter vorgehaltener Hand streng vertraulich zu hören, dass - um eben dem Wertmaßstab "fleischlich" auch Genüge zu tun - attraktive Damen verschiedener Schuhgrößen wie auch Kulturkreise nach Buchholz importiert werden sollen, so nach dem kaufmännischen Prinzip, dass jedes Angebot die Nachfrage regelt.

Nun mögen ganz sicher grundgute, hochanständige Menschen über derlei Planungen und Praktiken mit seriösem Seufzer ihre Nasen rümpfen und die höchst peinliche Frage stellen: "Ein ,Lust-Schloss' mitten im Buchholzer Stadtkern - ja, kann das denn überhaupt genehmigt werden?" Wobei wir nunmehr bei der Frage der Zuordnung wären. Denn niemand von den Betreibern fleischlicher Unterhaltungs- und Entspannungskünste wäre so naiv oder doof, sein Unternehmen formaljuristisch auch als solches auszugeben. Da klingt doch schon "Bar" oder auch "Privat-Club" viel dezenter.

Vor vielen, vielen Jahren gab es in Bendestorf mal ein "Haus Charly", schön abseits gelegen. Dennoch schauten damals gut betuchte Herren verlegen nach links und rechts, bevor sie aus ihren Nobelkarossen stiegen und schnell dem Gekicher des Hauses entgegenstrebten. Dagegen wird es schon wesentlich schwieriger sein, möglichst unerkannt ein "Lust-Schloss" zu erreichen, das mitten im Buchholzer Stadtkern liegt.

Doch wir wollen natürlich den Tag nicht vor dem Abend loben und erst recht nicht vor der Nacht. Deshalb beschränken wir uns ganz artig und schicklich auf den Schlusssatz: Lassen wir uns überraschen!

WERNER STRELOW

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