Nur elf Punkte pro Satz - hilft das dem Tischtennis weiter?

Von FRANK BEST

Hamburg - Der Reformeifer der International Table Tennis Federation (ITTF) kennt keine Grenzen. Knapp zwölf Monate nach der Einführung des 40-Millimeter-Balls verabschiedete die Vollversammlung des Weltverbandes während der WM in Osaka mit 104:7 Stimmen ihren zweiten revolutionären Beschluss, um eine größere Medienpräsenz der Sportart Tischtennis zu erreichen. Ab 1. September gilt eine neue Zählweise, die der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) mit Beginn der Saison 2001/2002 übernimmt.

Künftig endet ein Satz nicht mehr bei 21, sondern bei elf Punkten. Der Aufschlagwechsel erfolgt nach zwei statt bisher fünf Zählern. Die Spiele dauern maximal fünf (Punktspielbetrieb) oder sieben Sätze (Individualwettbewerbe wie WM oder EM).

Am 1. Juli 2002 tritt zudem eine neue Aufschlagregel in Kraft. Kerninhalt: Das Verdecken des Balls mit Körper, Arm, Schulter oder Kleidung ist verboten.

Oliver Alke (30), Norddeutscher Meister und Nummer eins des Zweitliga-Aufsteigers Hamburger SV: Man sollte immer offen für Neuerungen sein. Möglicherweise gibt es zunächst die eine oder andere Überraschung, weil sich auch die guten Spieler an die neue Zählweise gewöhnen müssen. Der Trend zu kurzen Ballwechseln wird sich deutlich verstärken. Deshalb hätte es Sinn gemacht, die Aufschläge schon jetzt und nicht erst im Juli 2002 zu entschärfen.

Sabine Heger (31), Oberliga-Spielerin beim Oberalster VfW: Das ist ja fürchterlich. Hat eigentlich auch nur ein Funktionär an die vielen Aktiven gedacht, die ihren Sport nicht leistungsorientiert betreiben, sondern nur Spaß am Spiel haben wollen und vor allem die Geselligkeit pflegen? Schon die Einführung des großen Balles war ein Flop. Niemand kann ernsthaft glauben, dass die TV-Sender nach der Regeländerung auf einmal mehr Tischtennis als bisher übertragen werden.

Wolfgang Sohns (48), 2. Vorsitender des Hamburger Tischtennis-Verbandes: Der Weltverband hat entschieden, also muss der Beschluss auf nationaler Ebene umgesetzt werden. Das Spiel wird durch die Kurzsätze interessanter. Man hätte die neue Zählweise allerdings erst in der Praxis, beispielsweise in der Welt- oder Europaliga, erproben sollen.

Thomas Reum (32), Verbandstrainer des HTTV: Wer in Zukunft Erfolg haben will, muss sich auf jeden Punkt hundertprozentig konzentrieren. Spieler, die sich schnell über leichte Fehler aufregen, werden es sehr schwer haben.

Kalli Havemann (75), Hamburger Meister des Jahres 1952: Die Regeländerung ist in Ordnung, wenn sie unserem Sport nützt. Ich glaube schon, dass wir in Zukunft stärker in den Medien vertreten sein werden.

Thorsten Rückmann (35), Landesliga-Spieler beim TTC Neuenfelde: Die Basis war doch mit der bisherigen Zählweise zufrieden. Die Aktiven in den unteren Klassen, die bisher noch nicht mit dem großen Ball zu spielen brauchten, werden sich gewaltig umstellen müssen.

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