Autobahnanschluss kommt zu spät - Suche nach Investoren

BMW-Werk: Standort Stade aus dem Rennen

HA/dpa Stade - Der Autohersteller BMW wird sein neues Werk nicht im niedersächsischen Stade errichten. Die Absage an die Stadt sei ganz offensichtlich auf die fehlende Verkehrsanbindung zurückzuführen, teilte Stadtdirektor Dirk Hattendorf gestern mit. Die Autobahn A26 Hamburg-Stade werde erst bis Ende 2006 fertig gestellt. BMW habe jedoch den Anschluss ans Fernstraßennetz bis Mitte 2004 verlangt. Die Aussagen des Landes Niedersachsen, den Autobahnbau zu beschleunigen, seien für den Autobauer nicht ausreichend gewesen.

Stade war als einzige Stadt in Nordwestdeutschland in die engere Wahl für das geplante BMW-Werk gekommen. Bis zuletzt waren noch Schwerin, Halle/Magdeburg, Leipzig, Euskirchen, Augsburg sowie vier weitere Standorte im europäischen Ausland im Rennen.

Welche dieser Orte ebenfalls eine Absage erhalten haben, war gestern nicht zu erfahren. Dem Vernehmen nach will BMW bis zum Beginn der Werksferien am 28. Juli eine endgültige Entscheidung über die Ansiedlung treffen.

Der Münchner Autobauer will noch in diesem Jahr mit dem Bau eines neuen Werks beginnen, in dem unter anderem die neue 2er-Reihe vom Band laufen soll. Die geplante Fabrik schafft rund 2500 neue Arbeitsplätze. Mit der Produktion will BMW Ende 2004 starten.

Die Stadt Stade hatte sich im Januar dieses Jahres offiziell um den Standort für das BMW-Werk beworben. Für die Ansiedlung der neuen Automobilfabrik hatten die Planer der Stadt ein 270 Hektar großes Gelände im Süden von Stade reserviert. Das Grundstück liegt direkt an der künftigen Autobahn A26. Mit ihrem Bau war ebenfalls im laufenden Jahr begonnen worden.

Stadtdirektor Hattendorf zeigte sich enttäuscht über die Absage von BMW, demonstrierte aber zugleich Zuversicht. Es sei eine große Leistung für Stade, in die Spitzengruppe vorgedrungen zu sein, meinte er. Nun müsse der Autobahnbau endlich mit Hochdruck vorangetreiben werden.

Jetzt will Stade andere Investoren für das für BMW reservierte Gewerbegelände suchen. Die Absage aus München kommt nur wenige Monate, nachdem bereits ein anderer Großinvestor angekündigt hat, dass er der Elbmetropole den Rücken kehrt. Im vergangenen Oktober verkündete der Energiekonzern E.ON, dass er das Kernkraftwerk in Stade im Jahr 2003 vom Netz nehmen werden. 350 Mitarbeiter sind betroffen, wovon 150 erst mal mit dem Rückbau des Atommeilers beschäftigt werden.

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