Städtische Verkehrsplanung

Handel in großer Sorge

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Von GEORGIA WAHL Ahrensburg - Der Handel in kleineren Städten schlägt Alarm. In Bad Oldesloe und in Ahrensburg bangen Geschäftsleute wegen der Verkehrsplanungen um ihre Existenz. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Lübeck sieht daher mit Sorge die Tendenz, in kleineren und mittleren Städten des Bezirks immer mehr Fußgängerzonen einzurichten. "Das kann zwar von Politikern als Erfolg gegen die Blechlawine gefeiert werden, aber für den Handel bringt das negative Begleiterscheinungen", so der Leiter der IHK-Außenstelle Ahrensburg, Dietrich Janzen.

Zunächst einmal treffe diese fußgängerfreundliche Idealvorstellung von einer romantischen Stadtkulisse die Unternehmen des Einzelhandels und der Dienstleistung, denen vielfach wegen des Rückgangs der Kundenfrequenz und damit des Umsatzes die Existenzgrundlage genommen werde. Gewachsene Strukturen, die von selbstständigen Geschäftsinhabern geprägt seien, würden zerstört, so Janzen. Frei werdende Läden würden selbst von Filialisten nicht mehr besetzt, weil natürlich auch dort streng kaufmännisch gerechnet und ein schlecht frequentierter Standort nicht akzeptiert werde.

"Das Ergebnis dieser Entwicklung sind leer stehende Geschäfte zuhauf", beklagte unlängst die Vorsitzende der Gemeinschaft Oldesloer Kaufleute (GOK), Eva-Maria Bruszies. Überzogene Regelungen würden letztlich aber auch die Verbraucher treffen, denen man eigentlich ja etwas Gutes tun wollte. Leer stehende Geschäfte und verbliebene einseitig ausgerichtete Angebotsstrukturen würden die Verbraucher nicht mehr in die Zentren locken. Viele deckten ihren Bedarf dann im großflächigen Einzelhandel außerhalb der Zentren "auf der grünen Wiese" und nähmen sogar längere Autofahrten in Kauf. "Die Stadtmitte verliert damit ihre angestammte Versorgungs- und Kommunikationsfunktion", so die Oldesloerin.

Eine Entwicklung in diese Richtung befürchtet Anita Hintz auch für Ahrensburg. Die Kritik der Geschäftsfrau, zugleich Sprecherin der Interessengemeinschaft Hagener Allee, an der teilweisen Schließung des Rondeels würden von der Stadt ignoriert. Sie kritisiert, dass die Aussperrung des motorisierten Verkehrs vom privaten Autofahrer sogar noch auf den öffentlichen Verkehr ausgedehnt werde. "Das hat jetzt schon den Taxiverkehr getroffen. Und die Aussperrung der Busse wird sicher auch schon vorbereitet", so Hintz. Sie argwöhnt überdies, dass parallel dazu auch noch der "Bereich der Aussperrung" bis zum Woldenhorn ausgedehnt werden soll. Gerade an der Großen Straße gäben immer mehr Geschäftsleute auf, die Achse zum Schloss entwickele sich langsam in eine reine Gastromeile.

"Ein gesunder Branchenmix erhält eine Stadt am Leben", sagt Anita Hintz. Und den sieht sie in Ahrensburg gefährdet: "Ist das Umfeld nicht interessant, leiden alle Geschäfte." Wenn die Politiker und die Stadtverwaltung der Ansicht seien, die Existenzgrundlage der Kaufleute so einschneidend verändern zu müssen, dann sollten sie sich aber zumindest ein ausreichendes Bild von den Auswirkungen verschaffen und die Sorgen und Hinweise der Kaufleute gebührend aufnehmen, kritisiert Hintz die Stadt. Zusagen vom Juli vergangenen Jahres, sich einmal mit den Betroffenen zusammenzusetzen, seien nicht eingehalten worden. Auch ein versprochener Workshop und eine Anhörung habe es nicht gegeben.

"Die Stadt ist nicht kooperativ mit dem Handel", sagt Hintz. Die IHK hat das zum Anlass genommen, Ahrensburg aufzufordern, Gesprächs- und Informationszusagen auch einzuhalten. Trotz Geschäftsaufgaben und Leerstands werde im Zentrum viel gebaut. Das bedeute weitere neue Geschäfte, aber es sollte nach Meinung von Hintz unbedingt auf den richtigen Branchenmix geachtet werden. "Sonst würden sich wieder andere Geschäfte aus Ahrensburg verabschieden müssen", fürchtet sie.

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