Rechtsanwalt Matthias Prinz über die Bedeutung des Falls für die Öffentlichkeit

"Wie wir das Miteinander gestalten"

Hamburg - Im Fall Daum gegen Hoeneß ist der bekannte Hamburger Rechtsanwalt Matthias Prinz (44) der Rechtsvertreter von Christoph Daum. Prinz, der in Deutschland und den USA als Anwalt zugelassen ist und sich auf Medienrecht spezialisiert hat, gründete im Jahre 1987 seine Kanzlei in Hamburg.

Zu seinen bekanntesten Mandanten zählen Claudia Schiffer, Karl Lagerfeld oder auch Prinzessin Caroline von Monaco, für die er im Rechtsstreit gegen das Magazin "Bunte" eine Gegendarstellung auf der Titelseite und ein Schmerzensgeld in Höhe von 180 000 Mark wegen eines gefälschten Interviews erstritt. Das Hamburger Abendblatt sprach mit Prinz über die Folgen der Presseerklärung von Uli Hoeneß:

ABENDBLATT: Herr Prinz, hat sich Uli Hoeneß mit seiner Aussage von allen Vorwürfen freisprechen können?

PRINZ: Nein, das war ein Fallrückzieher, der daneben ging.

ABENDBLATT: Ändert sich durch diese Aussage etwas für Ihre Klage?

PRINZ: Auch das nicht.

ABENDBLATT: Wie definieren sich die üble Nachrede und die Verleumdung; auf die Sie Herrn Hoeneß verklagt haben?

PRINZ: Herr Hoeneß hat durch die Kommentierung vier mickriger Zeilen aus der Zeitung "AZ", die bis dahin fast fünf Tage unbeachtet geblieben waren, bundesweites Aufsehen erregt und meinem Mandanten dadurch gehörigen Schaden zugefügt. Es darf nicht sein, dass jeder kleine Verdacht in der Öffentlichkeit breit getreten wird. Die Verbreitung dieser Verdächtigungen ist der typische Fall von übler Nachrede.

ABENDBLATT: Wie geht es jetzt in diesem Fall von juristischer Seite her weiter?

PRINZ: Die Staatsanwaltschaft München, bei der wir unsere Anzeige eingereicht haben, prüft jetzt, ob es zu einer Eröffnung des Strafverfahrens gegen Herrn Hoeneß kommt. Das müssen wir jetzt abwarten. Ich glaube jedoch, dass dieser Fall für die deutsche Öffentlichkeit und dessen Gerechtigkeitsempfinden von größter Bedeutung ist. Von Bedeutung dafür, wie wir das Miteinander in Deutschland gestalten und was zugelassen und was verboten sein muss.

ABENDBLATT: Streben Sie denn ein Zivilverfahren gegen den Herrn Hoeneß an, sollte es nun doch nicht zur Strafverhandlung kommen?

PRINZ: Darüber werden wir zu gegebener Zeit nachdenken.

ABENDBLATT: Was droht Herrn Hoeneß im Höchstfall bei einer Verurteilung?

PRINZ: Das Strafgesetzbuch sieht in den Paragrafen 186 und 187 eine Höchststrafe von bis zu fünf Jahren vor.

ABENDBLATT: Glauben Sie, dass es zu einer derartigen Verurteilung kommen wird?

PRINZ: Nein, das Strafmaß wird mit Sicherheit nicht so hoch sein.

ABENDBLATT: Wie hoch schätzen Sie den Imageverlust ein, den Herr Daum im Zuge dieser Verdächtigungen erlitten hat?

PRINZ: Darüber kann man nur spekulieren.

ABENDBLATT: Und in finanzieller Hinsicht?

PRINZ: Darüber kann man ebenfalls nur spekulieren.

Interview: MARCUS SCHOLZ