Es fehlt Personal

Lebensmittel werden nicht kontrolliert

Von FRANK KNITTERMEIER Kreis Segeberg - Der BSE-Skandal in Deutschland offenbart die Ohnmacht der Behörden: In Schleswig-Holstein sollen die Fleisch verarbeitenden Betriebe kontrolliert werden, aber es gibt für die- se Tätigkeit gar nicht genügend Fachkräfte. Im nördlichsten Bundesland werden Lebensmittelkontrolleure dringend gesucht, es können jedoch keine eingestellt werden, weil in der Vergan- genheit offenbar zu wenige ausgebildet worden sind. Im Kreis Segeberg muss die dritten Stelle eines Lebensmittelkontrolleurs deshalb vakant bleiben.

Der BSE-Skandal in Deutschland zieht seit einigen Wochen immer weitere Kreise. Längst geht es nicht mehr nur im infizierte Tiere, sondern auch um die Schlampereien und Betrügereien von Wurstherstellern, die offenbar falsch deklarierte Ware in die Regale der Lebensmittelgeschäfte lanciert haben. Das schleswig-holsteinische Umweltministerium hat vor Weihnachten einen Erlass herausgegeben, nach dem bei Herstellern von Fleischwaren kontrolliert werden soll. Insbesondere sollen die Eingangsbücher und die Rezepturen unter die Lupe genommen werden. Dazu gehören in den Fleisch verarbeitenden Betrieben und im Einzelhandel aber auch Stichproben bei Wurstwaren. "Kontrollen bei den Herstellern sind besser als in jedem Lebensmittelgeschäft", sagt Claudia Viße, Sprecherin des Kieler Umweltministeriums. Das Land stellt für die Untersuchungen Laboranten ein, für die Auswertung Veterinäre.

Für die Kreise in Schleswig-Holstein ist es keine einfache Aufgabe, diesen Vorgaben des Ministeriums zu folgen - zumindest im Kreis Segeberg nicht. Hier gibt es neben zwei von der EU zugelassenen Betrieben noch 40 weitere registrierte Fleisch verarbeitende Betriebe, die ständig kontrolliert werden müssten. Die Lebensmittelkontrolleure, die von insgesamt neun beim Kreis angestellten Tierärzten unterstützt werden, sollen dort ständig Proben ziehen. Aus verschiedenen Kreisen Schleswig-Holsteins sind im Untersuchungsamt Neumünster bereits vor Weihnachten Stichproben aus Fleisch verarbeitenden Betrieben und aus den Zentralen von Lebensmittelketten eingetroffen, nicht jedoch aus dem Kreis Segeberg.

Nicht Nachlässigkeit, sondern Personalknappheit ist der Grund dafür, dass die Arbeit im Kreis Segeberg zunächst nur langsam vorankommt: Nur zwei Lebensmittelkontrolleure sind derzeit beim Veterinäramt des Kreises Segeberg tätig, weitere werden dringend benötigt. Aber in Schleswig-Holstein ist kein einziger Kontrolleur aufzutreiben. "Es gibt keine freien Fachkräfte", teilt eine Sprecherin des Kreisveterinäramtes mit. Auf entsprechende landesweite Ausschreibungen kamen keine Reaktionen - im Zuge des BSE-Skandales eine fatale Entwicklung. Beim Kreis soll auf diese Situation reagiert werden, indem verstärkt Lebensmittelkontrolleure ausgebildet werden. Da eine solche Zusatzausbildung für Lebensmittelhandwerker aber 24 Monate dauert, ist eine kurzfristige Lösung nicht in Sicht.

Flächendeckende Kontrollen in Lebensmittelgeschäften im Kreis Segeberg werden vom Kreisveterinäramt für unsinnig gehalten - und das nicht nur wegen der Personalmisere. Es mache keinen Sinn, "sternenförmig" jedes Einzelhandelsgeschäft aufzusuchen. Auch in Zukunft werde nur konkreten Hinweisen nachgegangen. Bisher jedoch habe es aus einzelnen Läden nur Anfragen zu bestimmten Produkten gegeben