Stadt will die Schwalbenstraße für Veloroute asphaltieren lassen - Anwohner protestieren

Barmbeker kämpfen für Kopfsteinpflaster

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Die Bewohner der Schwalbenstraße in Barmbek erfuhren es ganz zufällig, von einem Bauleiter. Der setzte nach Sielbauarbeiten nicht mehr die hier seit über 80 Jahren üblichen Kopfsteine ein, sondern ließ die aufgerissenen Flächen einfach asphaltieren. "Wird doch sowieso bald alles geteert", antwortete der Mann der verwundert nachfragenden Anne Le Hénanf, die an der Schwalbenstraße in einem der vielen zweigeschossigen Einfamilienhäuser wohnt.

So machte sich die lebendige Straßengemeinschaft, darunter auch der Schriftsteller Arno Surminski nebst Ehefrau Traute an die Aufklärung. Die Bewohner recherchierten, dass sich eine "Veloroute" vom Barmbeker Bahnhof über die Schwalbenstraße bis nach Steilshoop ziehen soll. Da die Schwalbenstraße allerdings in einem für Fahrradfahrer zu schlechten Zustand sei, berät der Ortsausschuss Barmbek-Uhlenhorst über einen neuen Straßenbelag. Und die Bewohner an der Schwalbenstraße haben nun Angst, dass ihnen das schöne Kopfsteinpflaster genommen wird.

Das Pikante an der Sache: Wird das Kopfsteinpflaster durch Asphalt ersetzt, greift ein altes Gesetz. Danach gilt der Asphalt als eine Verbesserung der Straße, die die Eigentümer der Häuser mitzutragen hätten. "Bei 410 000 Mark Baukosten kommen da auf jedes einzelne Haus zwischen 15 000 und 20 000 Mark zu", sagt Anne Le Hénanf.

"Die Standardlösung der Verwaltung ist nun mal der Asphalt", sagt Holger Koslowski, GAL-Ortsausschussmitglied. Aber er selbst und auch andere Mitglieder des Ausschusses hätten gar nichts von einem "Landesabgabenamt" gewusst, das im Falle der Asphaltierung eines ehemaligen Kopfsteinpflasters sich einen Teil des Geldes bei den Anwohnern zurückholt. "Ganz klar: Das wollen wir nicht", sagt Koslowski und spricht da wohl auch für die anderen Fraktionen. Andererseits müsse die Straße für die "Veloroute" in "einwandfreien Zustand" gebracht werden, da Fahrradfahrer schließlich "Fahrkomfort" bräuchten.

Die Alternativen zum Asphalt zeigte dem Ortsausschuss das Bauamt auf: Kommt es doch kaum teurer, das vorhandene Kopfsteinpflaster einfach neu zu verlegen und mit Bitumen so zu verfugen, dass Radler "Fahrkomfort" hätten.

Auch eine Verlegung von modernen Betonplatten, statt der alten Granitsteine sei im Kostenrahmen möglich. Das favorisiert Koslowski: "Das Kopfsteinpflaster würde trotz der neuen Verlegung und Verfugung nicht eben genug."

Die Bewohner bezweifeln das und haben 48 Unterschriften gesammelt - für das Kopfsteinpflaster. Gerade die Bewohner der Häuser aus der Zeit um 1900, die teilweise seit über 70 Jahren hier leben, können sich ihre Straße nicht ohne Kopfsteinpflaster vorstellen.

"Die Entscheidung des Ortsausschusses wird so ausfallen, dass sich alle an der Veloroute erfreuen können", verspricht Holger Koslowski. Heute, 11. Dezember, ab 18 Uhr, wird im Ortsausschuss (Flachsland 23) abgestimmt. abm

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