Wirrwarr um Creutzfeldt-Jakob-Erkrankungen

18 Tote zwischen 1994 und 1999

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Für Wirbel in der Gesundheitsbehörde (BAGS) sorgten in den vergangenen Tagen die Vorwürfe der CDU-Politikerin Vera Jürs. Sie warf dem Senat vor, "unwahre" Angaben über Todesfälle durch die Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung (CJK) gemacht zu haben (das Abendblatt berichtete).

Laut BAGS-Statistik sei 1998 in Hamburg kein CJK-Toter gemeldet worden. Das Bestattungsunternehmen ihres Ehemannes habe aber 1998 drei Tote durch CJK aus Hamburg beerdigt, sagte Vera Jürs am Mittwoch in der Hamburger Bürgerschaft. Der Sprecher der BAGS, Stefan Marks, und das Abendblatt prüften die Angaben.

Ergebnis: Es gibt zwei unterschiedliche Statistiken für die Erfassung von CJK-Todesfällen.

1. Die Todesursachenstatistik des Statistischen Landesamtes. Sie beruht auf der Auswertung von Totenscheinen. 18 Tote sind zwischen 1994 und 1999 erfasst worden. 1998 waren es zwei.

2. Die Meldepflicht der Ärzte für Sterbefälle an der nicht erblichen Form von CJK. Laut BAGS: 10 Tote zwischen 1994 und 1999. 1998 wurde keiner gemeldet.

Die letztere Statistik liegt Vera Jürs seit März dieses Jahres vor. Wie erklärt sich die Differenz zur Totesursachenstatistik, immerhin acht Fälle? "In der Totesursachenstatistik werden auch Hamburger Bürger erfasst, die außerhalb von Hamburg gestorben sind. Außerdem umfasst sie nicht nur die nicht erbliche Form von CJK, sondern auch die erbliche Form", erklärt Marks.

Ein weiterer möglicher Grund der unterschiedlichen Ergebnisse: Sowohl die Erkrankung an CJK als auch der Tod durch CJK sind seit 1994 meldepflichtig. "Möglich ist, dass ein Arzt zwar einen Patienten mit CJK meldet, aber nicht auch noch dessen Tod", räumt Marks ein. Er zweifelt zudem an Vera Jürs Interesse an der Sache. "Es wäre besser gewesen, schon im März Unklarheiten zu beseitigen, als diese jetzt als Mittel in einer politischen Auseinandersetzung zu verwenden." Für die Gesundheitsbehörde spielt nicht die Zahl der Todesfälle an CJK, sondern die der Neuerkrankungen die größte Rolle. "So können wir frühzeitig eine Zunahme an CJK feststellen", sagt Marks. Ein gehäuftes Auftreten der Hirnerkrankung sei in Hamburg in den vergangenen Jahren nicht beobachtet worden. Auch sei kein Fall der neuen Variante von CJK, die mit BSE in Verbindung gebracht wird, aufgetreten. Dies bestätigen auch die Göttinger CJK-Forschergruppe und Professor Dimitrios Stavrou, Neuropathologe am UKE. hpcl

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