Der Hamburger war eine der großen Unternehmerpersönlichkeiten

Bosch-Chef Marcus Bierich tot

me/dpa Stuttgart - Naturwissenschaftler hatte er werden wollen, seine Doktorarbeit schrieb er über ein philosophisches Thema, und schließlich stand er an der Spitze eines der größten deutschen Industrieunternehmen. Der ehemalige Bosch-Chef Marcus Bierich, der erst im vergangenen Frühjahr den Vorsitz im Aufsichtsrat niedergelegt hat, ist am vergangenen Sonnabend im Alter von 74 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben.

Unter Bierich wandelte sich der Autoausrüster Bosch durch zahlreiche Zukäufe in einen Technologiekonzern. In seine Zeit fällt die Gründung der eigenen Sparte Kommunikationstechnik, die inzwischen allerdings fast vollständig wieder verkauft wurde. Bierich trieb auch die Internationalisierung des Unternehmens voran. Anfang der 90er-Jahre kündigte er ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem amerikanischen Emerson-Konzern an, das sich zum Weltmarktführer bei Elektrowerkzeugen entwickelte. Später expandierte Bosch in Mittel- und Osteuropa. Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen heute durch rund 250 Beteiligungsgesellschaften in 48 Ländern präsent. Bierich verordnete dem Unternehmen einen strikten Sparkurs und erreichte den dafür nötigen Stellenabbau ohne großen öffentlichen Lärm.

Der gebürtige Hamburger und Sohn eines Professors für experimentelle Biologie promovierte 1951 über Bertrand Russels "Grundlagen der Mathematik". Unmittelbar danach begann Bierich eine praktische Ausbildung im Hamburger Privatbankhaus Delbrück, Schickler & Co. Seine Lehr- und Wanderjahre verbrachte er in London und New York. Mit 35 Jahren wurde er Finanzdirektor der Mannesmann AG, knapp 20 Jahre später wechselte er in den Vorstand der Allianz Versicherungs AG. Anfang der 80er-Jahre galt er zusammen mit Alfred Herrhausen als einer der "Stahlmoderatoren", die Konzepte für die Zukunft der angeschlagenen deutschen Stahlindustrie entwickelten.

Im Aufsichtsrat der Robert Bosch GmbH saß Bierich schon seit 1976. Hans Merkle hatte ihn 1984 als seinen Nachfolger an die Spitze des Bosch-Konzerns geholt. Der Tradition des Hauses und dem Beinamen "Gottvater" entsprechend, blieb Merkle als Vorsitzender des Aufsichtsrats der Geschäftsführung noch eng verbunden. Bierich galt auf Grund seiner Charakterverwandtschaft mit Merkle, der im September verstarb, als idealer Nachfolger. Baden-Württembergs Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) würdigte Bierich als "Vorbild für unternehmerische Kompetenz, persönliche Disziplin und soziale Verantwortung".

Sein Einsatz für Bosch ließ ihm dennoch Zeit für ganz andere Dinge. Der sechsfache Vater war in der Internationalen Bachakademie und in der Stiftung Bibel und Kultur aktiv. Die Universität Bochum verlieh ihm die Ehrendoktorwürde.

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