Norderstedts Ziel:

Solaranlagen auf allen öffentlichen Gebäuden

Von MICHAEL SCHICK Norderstedt - Alle öffentlichen Gebäude in Norderstedt sollen in den nächsten Jahren mit einer Solaranlage ausgestattet werden. Das sieht ein Beschluss des Umweltausschusses vor, den die Stadtvertreter in ihrer nächsten Sitzung bestätigen sollen. Hintergrund der Initiative: Die Stadt will mit gutem Beispiel vorangehen und die Bürger animieren, sich Strom und Wärme von der Sonne liefern zu lassen. Außerdem wollen Politiker und Verwaltung dem ehrgeizigen Ziel näher kommen, den Ausstoß des Klimakillers Kohlendioxid bis zum Jahr 2010 um die Hälfte zu reduzieren.

"Da in nächster Zeit ohnehin viele Dächer an den Schulgebäuden saniert werden müssen, bietet es sich an, die baulichen Voraussetzungen für Solaranlagen gleich mit zu schaffen", sagt Herbert Brüning, Leiter des städtischen Umweltamtes. Sonnenkollektoren und Strom erzeugende Photovoltaikanlagen leisteten einen wichtigen Beitrag, um das übergeordnete Ziel, Energie zu sparen und damit weniger Kohlendioxid in die Atmosphäre zu pusten, zu erreichen.

Da in Norderstedt wegen der dichten Bebauung keine Windkraftanlagen aufgestellt werden könnten, sei die Sonnenenergie die Alternative, wenn es um den Einsatz erneuerbarer Energien gehe.

Mit dem Solardach-Programm geht die Stadt weiter auf dem Weg, Energie an den kommunalen Bauten einzusparen. Die Schulen, die sich daran beteiligen, können jeweils die Hälfte der eingesparten Summe behalten.

Norderstedt hat, so Brüning, im Vergleich zu anderen deutschen Städten und Gemeinden Nachholbedarf in Sachen Solarenergie. Zwar hatten die Stadtwerke schon vor Jahren eine Photovoltaikanlage auf dem Dach installiert, und auch das Arriba-Schwimmbad gewinnt Strom aus den Kollektoren auf dem Parkplatz, doch bisher sind den Pionieren des Sonnenstroms kaum Bürger gefolgt. Mit ihrem jüngsten Projekt will die Stadt nun eine Initialzündung starten und mehr Bewusstsein für die Umwelt schonende Technologie schaffen.

Viele Hausbesitzer halten sich noch zurück, da sich der Einsatz der Kollektoren kaum im Portemonnaie bemerkbar macht. "Als Geldanlage mit hoher Rendite lohnt sich die Investition in die regenerativen Energieträger sicher nicht. Die Bürger, die sich dennoch für die Sonne als Wärme- und Stromlieferant entscheiden, tun das eher, weil sie sich für eine möglichst intakte Umwelt einsetzen", sagt Brüning. Inzwischen näherten sich die Investitionen aber der Amortisationsgrenze. Durch die neue Einspeisevergütung sei Ökostrom durchaus attraktiv und nicht mehr so viel teurer als Atomstrom. Denkbar sei auch, dass die Stadtwerke als Anbieter von grünem Strom auf den Markt gehen. Dann wäre es gut, wenn sie auf Solarstrom zurückgreifen könnten.

Schließlich versprechen sich die Initiatoren einen Innovationsschub. Folgen auch andere Kommunen dem Norderstedter Beispiel, könne das die Produktion ankurbeln und sich somit wieder günstig auf die Kosten für Solaranlagen auswirken. "Deutschland hat gerade die weltweit größte Photovoltaik-Anlage installiert, da besteht die Chance, dass die Bundesrepublik sich eine gute Marktposition in der neuen Technologie sichert", sagt Brüning.

Er weist darauf hin, dass unabhängig von der aktuellen "Sonnen-Initiative" schon entsprechende Projekte laufen: Auf dem Lessing-Gymnasium soll die größte Solaranlage an einer schleswig-holsteinischen Schule installiert werden. Aus 300 Quadratmetern wollen Schüler und Lehrer, die das Projekt betreuen, 30 Kilowattstunden Strom gewinnen. Auch auf dem Dach der Grund- und Hauptschule Friedrichsgabe wird Sonnenenergie geerntet, um das Wasser im Lehrschwimmbecken aufzuheizen.

Die Stadtvertreter werden am Dienstag, 21. November, von 19 Uhr an im Rathaus öffentlich über die Millionen-Investition beraten.

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