Ehrung für Heinz Eckhoff im Apenser Rathaus geriet zum Medienspektakel

Das umstrittene Bundesverdienstkreuz

Von LARS STRÜNING

Apensen - Es war eine Feierstunde der besonderen Art. Der Parkplatz des Apenser Rathauses war mit weiß-rotem Polizeiband abgesperrt. Ein Polizist kontrollierte an der Tür zum Junkernhof die Gäste. Die großer Schar der gut 20 Medienvertreter musste sich in Geduld üben, ehe sie eingelassen wurde. Die umstrittene Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an den Apenser Kommunalpolitiker Heinz Eckhoff (77) fand unter Polizeischutz und unter laufenden Kameras verschiedener Fernsehteams statt.

Für bundesweite Furore und internationales Interesse sorgte die Verleihung, weil Eckhoff als 18-Jähriger 1941 in die Waffen-SS aufgenommen wurde und weil er 1968 als Parteiloser über die NPD-Liste in den Kreistag eingezogen war, wo er für die CDU immer noch sitzt.

Geehrt wurde er für sein 30-jähriges, kommunalpolitisches Engagement, für seine Zeit als Bürgermeister der Gemeinde sowie der Samtgemeinde Apensen, für seine Tätigkeit im Vorstand (auch als Vorsitzender) der Volksbank Geest und für diverse weitere Engagements in Vereinen und Verbänden. Am Montagabend wurde immer wieder sein Einsatz für die deutsch-französische Verständigung gelobt. Eckhoff war einer der Initiatoren der Apenser Partnerschaft mit Ploermel, dessen Ehrenbürger er ist.

Das waren die Beweggründe der Christdemokraten in der Samtgemeinde, Heinz Eckhoff für die Verleihung vorzuschlagen. Die Niedersächsische Staatskanzlei und auch das Bundespräsidialamt stimmten zu. In seiner Laudatio betonte Landrat Gunter Armonat, dass beide Institutionen in Kenntnis der Eckhoffschen Vergangenheit keinen Anlass gesehen hätten, die Verleihung zu stoppen, sowie es unter anderem die Grünen im Landtag und der Jüdische Weltkongress in New York gefordert hatten.

Anerkennende Worte und Medienschelte

Ungeachtet der heftigen Kritik hielten Vertreter aller Parteien in Apensen, der Samtgemeinde-Bürgermeister Peter Sommer und auch Landrat Armonat an der Verleihung fest. Dass alle Geladenen gekommen seien, sei ein Zeichen der Wertschätzung für Eckhoffs erfolgreiches Wirken, sagte Sommer zur Begrüßung. Armonat, der die angespannte Stimmung im Saal durch die persönliche Anrede Eckhoffs mit "lieber Heinz" zu durchbrechen versuchte, sagte, dass er der Aufgabe sehr gerne nachkomme. Er kenne Eckhoff seit 20 Jahren und wisse, dass alle seine besonderen kommunalpolitischen Verdienste anerkennen würden. Er sprach aber auch "von den besonderen Umständen dieses Tages". Eckhoff habe ein Recht, seine Meinung zu ändern. Er habe sich von Hass, Gewalt und Rassismus auf das Entschiedenste distanziert.

Eckhoff habe sich rund 12 000 Tage ehrenamtlich engagiert, lobte Friedrich Dammann als Vertreter der CDU Apensen den Geehrten. Er kritisierte die "sehr schlecht recherchierten Medienberichte" im Vorfeld der Verleihung. In Medienkritik versuchte sich auch Apensens Pastor Reinhard Münter. Die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes sei zur Provinzposse verkommen, das Fahndungsfieber sei in der Republik ausgebrochen. Münter sprach von unsauberen Recherchen und ungenauen, unsachgemäßen Berichten, die nach einer Entschuldigung riefen. Nie sei die Partei, sondern immer die Person gewählt worden. Das sei so gewesen, als Eckhoff anfangs für die NPD kandidierte und habe sich sechsmal wiederholt, als er sich für die CDU zur Wahl stellte.

Der sichtlich erregte Eckhoff fasste sich an diesem Abend kurz, dankte für die "treffenden Worte" des Landrats und wünschte sich und seiner Familie Gesundheit.

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