Ein letztes Mal in die Aula zitiert

Es ist Sonnabendvormittag. Immer mehr Menschen finden sich auf dem Schulgelände des Gymnasiums Oberalster (GOA) ein. Doch es sind keine Schüler. Amrei Müller-Schmees (63) feiert Abschied in der Aula, aber auch Abschied von der Aula, ihrem Lebenswerk. Die Lehrerin lud alle ehemaligen Schüler zum Jazz-Frühschoppen ein. Etwa 350 von ihnen kamen.

30 Jahre lang hat Amrei Müller-Schmees am GOA unterrichtet. In den Fächern Deutsch, Mathe, Religion und Sport lehrte sie etwa 800 Schüler der Klassenstufen fünf bis sieben. Auch die Kinder berühmter Hamburger Persönlichkeiten, wie die Söhne des ehemaligen Bürgermeisters Henning Voscherau oder die Kinder von Eugen Block, zählten zu ihren Schützlingen.

Die Lehrerin war sehr temperamentvoll, direkt und bekannt für ihre deutlichen Sprüche. Die Schüler erinnern sich schmunzelnd an Sätze wie: "Ihr seid ein pubertierender S . . . haufen" oder "Es ist schon saublöde, wenn man doof ist". Ex-Schülerin Tanja Kretschmann, die 1987 am GOA ihr Abi machte, erzählt: "Frau Müller-Schmees hat uns einerseits an die Hand genommen und andererseits hart rangenommen." Die Pädagogin engagierte sich jedoch nicht nur als Klassenlehrerin. Sie war immer da, wenn sie ihre Hilfe anbieten konnte.

Amrei Müller-Schmees ist es auch zu verdanken, dass das Gymnasium eine Aula besitzt: Die Lehrerin hatte sich nicht damit abgefunden, als die Schulbehörde Mittel für einen Bau verweigerte: Sie organisierte Spendenaktionen und trieb privates Geld für das Aula- Projekt auf. hptb