Hamburger Firma verkauft Feodora und Hachez nach Bremen

Der Schokoladen-Coup

hai Hamburg - Hasso G. Nauck (49) und Wolf Kropp-Büttner (46) kennen sich seit ihrer Jugend. Beide wuchsen in Bremen auf, spielten schon als Kinder miteinander. Beide bestanden 1973 ihre Abiturprüfung, studierten danach Wirtschaft, wurden Diplom-Kaufleute - und entwickelten eine Leidenschaft für Süßes. Seit Anfang der 90er-Jahre ist Nauck Geschäftsführer der Schokoladenfabriken Hachez und Feodora und Kropp-Büttner sein Stellvertreter.

Seit gestern verbindet die Geschäftsleute noch etwas anderes: ein gemeinsames Unternehmen. Die Bremer haben ihrem bisherigen Arbeitgeber, der Hamburger Zuckerraffinerie Tangermünde (ZRT), Feodora und Hachez abgekauft. Die beiden Edel-Schokoladenmarken gehören jetzt zur Hanseatischen Chocolade GmbH. An der hält Nauck 60 und Kropp-Büttner 40 Prozent. Die Initiative der beiden kam der ZRT, einem alten Familienunternehmen, offenbar gelegen. "Die Inhaber wollen sich stärker auf Handel und Dienstleistungen konzentrieren", sagt Hasso G. Nauck. Zu ZRT zählt unter anderem das Importhaus K. H. Wilms, das sich in Deutschland um die Vermarktung der Pastillen Fisherman's Friend kümmert. Nauck weiter: "Das Schokoladengeschäft hat nicht mehr in die Strategie der Firma gepasst." Deshalb wurden sich die alten mit den neuen Eigentümern schnell einig.

Nauck und Kropp-Büttner sind jetzt nicht nur allein für 360 Mitarbeiter in Bremen, sondern auch für zwei der führenden deutschen Marken verantwortlich: Im Premiumbereich kämen Feodora und Hachez gleich hinter Marktführer Lindt, so Rüdiger Funke vom Info-Zentrum Schokolade. Ihr Vorteil: "Sie leiden weit weniger als die Massenmarken unter dem starken Preiskampf in der Branche." Wird die Tafel Milka- oder Ritter-Sport-Schokolade im Supermarkt nicht selten für deutlich unter einer Mark verkauft, konnten die Bremer Preise von über zwei Mark pro Tafel nicht nur durchsetzen, sondern teilweise sogar noch steigern: "Unsere Schokolade ist zwei- bis dreimal teurer als der Branchendurchschnitt."

Und das macht sich auch bei der wirtschaftlichen Entwicklung bemerkbar. Während der Umsatz der Branche allein seit 1997 von rund 7,1 auf 6,4 Milliarden Mark zurückging, hätten Feodora und Hachez ihre Erlöse in den vergangenen zehn Jahren um 50 Prozent gesteigert, so Nauck. Die so genannten Premiummarken haben laut Info-Zentrum Schokolade einen Anteil von sieben Prozent am Gesamtmarkt - das entspricht einem Umsatz von etwa 500 Millionen Mark.

"Das Segment wird aber weiter wachsen", so Funke. Denn bei der Nachfrage nach Schokolade neige der Deutsche, der im Schnitt 8,17 Kilogramm pro Jahr vernascht, zu Extremen: Entweder würde er sehr billige oder besonders teure Produkte kaufen. Funke: "Innerhalb des Marktes wird es weiter deutliche Verschiebungen geben."

Die Bremer Hersteller stellen sich darauf mit immer neuen Artikeln ein: etwa mit extrem kakaohaltiger Schokolade. Die, sagt Nauck, sei im Moment eines der am besten verkauften Produkte. Wie wichtig Neuheiten sind, beweist die Umsatzentwicklung: Ein Drittel der Erlöse machen Feodora und Hachez heute mit Artikeln, die vor fünf Jahren noch gar nicht zum Sortiment gehörten.

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